02.07.2016 00:44:48
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Westfalenpost: Im entscheidenden Moment fehlte Kraft das Gespür / Kommentar von Tobias Blasius zum Silvester-Untersuchungsausschuss
Hannelore Kraft tat eigentlich das, was jedes Handbuch zur Krisenkommunikation empfiehlt: Sie gab sich angemessen zerknirscht ("kommunikative Fehler"), fand einfühlsame Worte für die Opfer und attackierte die Opposition ("politisches Schauspiel"). Doch am Ende bleibt der fatale Eindruck einer Ministerpräsidentin, die nicht aus der Defensive kommt.
Der Untersuchungsausschuss des Landtags hat die Aufklärung der Kölner Exzesse auch mit 70 Zeugenbefragungen kaum voran gebracht, dafür aber schon jetzt Krafts wichtigstes politisches Kapital entwertet: ihr sorgsam gepflegtes Image als "Kümmerin".
Sie war nicht präsent, als die ganze Welt Anfang Januar über einen entfesselten Migranten-Mob mitten in Nordrhein-Westfalen diskutierte. Ihr ansonsten so sicheres Gespür für die richtige Geste im rechten Moment hat sie im Umgang mit Hunderten überfallenen Frauen verlassen. Nur ein Opfer hat sie bis heute persönlich gesprochen - am Rande einer Talkshow im Fernsehen.
Dieser bleibende Eindruck ist die wahre politische Gefahr dieses Tribunals vom Freitag. Nicht die vorhersehbaren Fragen der Opposition, die sich routiniert parieren lassen.
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Pressekontakt: Westfalenpost Redaktion
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