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Korrekturphase 02.06.2026 22:24:00

Zwischen Rally und Absturz: Warum die Goldpreis-Prognosen stark auseinandergehen

Zwischen Rally und Absturz: Warum die Goldpreis-Prognosen stark auseinandergehen

Gold hat im bisherigen Jahresverlauf 2026 eine außergewöhnliche Rally vollzogen und zeitweise die Marke von 5.400 US-Dollar je Feinunze erreicht, historische Rekordhöchststände, getragen vor allem von einer gestiegenen Nachfrage der Zentralbanken sowie von anhaltenden Inflationssorgen und geopolitischen Unsicherheiten. Jetzt, in der Korrekturphase, stellt sich für Anleger die entscheidende Frage: Wie weit reichen die Zielpunkte der Experten, und was steckt dahinter?

Breite Spanne: zwischen 4.166 und 6.300 US-Dollar

Die Bandbreite der Prognosen für den Zeitraum bis Ende 2026 und Anfang 2027 ist ungewöhnlich groß. Goldman Sachs bestätigte nach dem deutlichen Rücksetzer im März 2026 sein Kursziel von 5.400 US-Dollar je Feinunze bis Ende 2026. JPMorgan hatte im Februar 2026 einen Zielkorridor von 6.000 bis 6.300 US-Dollar für Ende 2026 ausgegeben, rund 50 Prozent höher als die eigene Prognose vom Dezember 2025, wie Gold Republic erklärt. Am anderen Ende der Skala steht laut MiningScout S&P Global: Die Analysten sehen den Goldpreis bis 2027 bei 2.100 US-Dollar, nachdem sie ihr Ziel für 2026 bereits auf 2.500 US-Dollar gesenkt hatten.

Drei strukturelle Treiber dominieren die bullishen Szenarien

Hinter den hohen Zielen der Investmentbanken stehen keine kurzfristigen Spekulationen, sondern nachfrageseitige Argumente. JPMorgan spricht explizit von einer strukturellen Rebasing-Phase des Goldpreises: Zentralbanken mit einem Goldanteil unter zehn Prozent an ihren Reserven könnten allein durch eine Angleichung auf zehn Prozent dauerhaften Nachfrageüberhang erzeugen. Schon eine Umschichtung von 0,5 Prozent aus US-Vermögen in Gold würde laut der Bank ausreichen, um einen Goldpreis von 6.000 US-Dollar zu rechtfertigen. Dazu kommen makroökonomische Rückenwind-Faktoren: Die LBBW rechnet damit, dass die US-Notenbank die Leitzinsen bis Mitte 2027 um weitere 50 Basispunkte senken wird, und erwartet zudem einen schwächeren US-Dollar.

Was gegen die optimistische Lesart spricht

Der aktuelle Rücksetzer auf unter 4.600 US-Dollar entspricht einer technischen Korrektur von rund 15 Prozent vom Allzeithoch. Gold notiert derzeit unter der 50-Tage- und der 100-Tage-Linie, was kurzfristig einen Abwärtstrend signalisiert. Hält sich der Kurs nicht über der Zone um 4.500 US-Dollar, rückt der 200-Tage-Durchschnitt als nächste Orientierungsmarke in den Fokus. Zugleich erinnert die S&P-Global-Prognose daran, dass eine Normalisierung der Zinserwartungen und ein erstarkendem US-Dollar den Aufwärtstrend empfindlich bremsen können.

Nächster Gradmesser: Fed-Entscheidung im Juli

Der nächste belastbare Datenpunkt ist die Fed-Sitzung im Juli 2026. Ob die Notenbank den Zinssenkungspfad bestätigt oder pausiert, dürfte die Prognosen der Banken unmittelbar auf den Prüfstand stellen und die Richtung für den Goldpreis bis ins erste Quartal 2027 maßgeblich mitbestimmen.

Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.at

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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