02.09.2013 19:29:58

Allg. Zeitung Mainz: Chance vertan / Kommentar zur Doping-Debatte im Sportausschuss

Mainz (ots) - Die meisten Menschen trauen dem Hochleistungssport schon lange nicht mehr. Wer sich fragt, wie es dazu kommen konnte, muss sich nur vor Augen führen, was sich am Montag im Sportausschuss des Bundestages abgespielt hat. Auf dem Tisch lag die brisante Studie "Doping in Deutschland von 1950 bis heute", die seit Wochen für helle Aufregung sorgt und die Rufe nach einem Anti-Doping-Gesetz hat lauter werden lassen. Es wäre der ideale Anlass gewesen, eine schonungslose und ehrliche Grundsatzdebatte darüber zu führen, wie sich dieses Land zum Spitzensport mit allen seinen Widersprüchen stellen will. Die Chance wurde mit Pauken und Trompeten vertan. Vielleicht, weil gerade Wahlkampf ist. Vielleicht, weil man sich beim Thema Doping nur die Hände schmutzig macht. Vielleicht auch, weil zu viele Interessenkonflikte das Gelände verminen. Innenminister Friedrich, bisher massiver Gegner eines Anti-Doping-Gesetzes, deutete zwar zart einen Gesinnungswandel an, spielt aber weiter auf Zeit. Dabei müsste auch er längst wissen, dass der angeblich so autonome Sport dieses Grundübel nicht allein bekämpfen kann (oder will). Und die sich aus der Dopingstudie zwingend ergebende Notwendigkeit, auch den Zeitraum nach 1990 wissenschaftlich aufzuarbeiten, sehen Politiker und Sportfunktionäre offensichtlich auch nicht. Man könnte dabei ja hochverehrten, immer noch aktiven Trainern, Ärzten und Verbandsvertretern auf die Füße treten. Fazit: So kommt der Kampf gegen Doping keine Spritzenlänge voran. Vielleicht hat sich wenigstens Deutschlands Ober-Olympier Thomas Bach heimlich gefreut. Der will nächste Woche Präsident des Internationalen Olympischen Komitees werden. Zu viel Aufregung um das leidige Thema Doping stört da nur.

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