01.04.2015 12:16:45

IMK setzt sich an die Spitze der Wachstums-Optimisten

   Von Hans-Joachim Koch

   FRANKFURT/DÜSSELDORF (Dow Jones)--Das gewerkschaftsnahe Wirtschaftsforschungsinstitut IMK blickt mit großen Optimismus auf 2015 und 2016. Für beide Jahre erwarten die Ökonomen ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,2 Prozent. Damit liegt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung mit seinen Prognosen an der Spitze der deutschen Konjunkturforscher und auch deutlich über den Schätzungen von Bundesregierung, Bundesbank, EU-Kommission und IWF.

   Bislang war das Düsseldorfer Institut für 2015 von plus 1,6 Prozent ausgegangen, für das Folgejahr lag noch keine Prognose vor. Es stützt seine positive Einschätzung auf die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt und spürbare Lohnsteigerungen, wozu, wie das IMK betont, auch der Mindestlohn beitrage.

   Treiber des Wachstums sei die Binnennachfrage, zu der eine zunehmende Nachfrage nach deutschen Waren und Dienstleistungen im Ausland komme. Dies werde sich besonders 2016 bemerkbar machen. Für Rückenwind sorgten auf der Exportseite der schwächere Euro und die sinkenden Preise für Energie und Rohstoffe, was wiederum die Investitionen im Inland ankurbeln werde. Damit stelle sich ein ausbalancierteres Wachstum als in der Vergangenheit ein, als vor allem der Export für Schub gesorgt habe.

   Dennoch sehen die IMK-Forscher weiter Risiken durch die noch nicht überwundene Krise im Euroraum. Hier raten sie zu einem Strategiewechsel in der Finanzpolitik: Weg von einer gescheiterten Sparpolitik mit Notkorrekturen, hin zu einer investiven Fiskalpolitik im Euroraum, so ihr Credo. Sie setzen dabei drei Schwerpunkte: Einen Kompromiss für Griechenland zu finden, höhere Steuereinnahmen in Deutschland sollten vor allem in die Infrastruktur investiert werden und auf europäischer Ebene sollte ein mehrjähriges, kreditfinanziertes Investitionsprogramm aufgelegt werden.

   Griechenland sollten die übrigen Mitgliedsstaaten ermöglichen, seine öffentlichen Ausgaben "moderat, aber gezielt" zu erhöhen, um dem drastischen Anstieg der Armut entgegenzusteuern. Außerdem sollte das Land zügig zusätzliche Gelder für Investitionen erhalten. Bedingung sei aber, dass Athen auf einen Schuldenschnitt verzichte, denn "die übrigen europäischen Länder könnten mit Fug und Recht erwarten, dass ihre Hilfen zurückgezahlt werden, insbesondere, wenn sie sich erneut engagierten", schreiben die Forscher.

   Für das empfohlene europäische Investitionsprogramm sieht das IMK eine weitgehende Selbstfinanzierung. Investitionen von 1 Prozent des BIP, entsprechend 300 Milliarden Euro verteilt über drei Jahre bis 2017, würden das Wachstum um 1,6 Prozentpunkte ankurbeln und für mehr Beschäftigung, höhere Steuereinnahmen und ein Anstupsen der Inflation sorgen. Zugleich seien die Kreditkosten wegen der niedrigen Zinsen sehr gering.

   Den Folgen des zu Jahresbeginn eingeführten Mindestlohns widmet sich das IMK genauer und kommt zum Schluss, dass dieser zu besseren Arbeitsbedingungen und einer Stabilisierung der Lohnentwicklung in Deutschland beitrage. Nur in einzelnen Bereichen könne es "zu einer Dämpfung der Beschäftigungsdynamik oder gar zu Beschäftigungsverlusten kommen", was aber an anderer Stelle ausgeglichen werden dürfte. Während Minijobs unattraktiver würden, gewännen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze an Bedeutung.

   Kontakt zum Autor: konjunktur.de@dowjones.com

   DJG/smh/mgo

   (END) Dow Jones Newswires

   April 01, 2015 05:46 ET (09:46 GMT)

   Copyright (c) 2015 Dow Jones & Company, Inc.- - 05 46 AM EDT 04-01-15

Eintrag hinzufügen
Hinweis: Sie möchten dieses Wertpapier günstig handeln? Sparen Sie sich unnötige Gebühren! Bei finanzen.net Brokerage handeln Sie Ihre Wertpapiere für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade? Hier informieren!
Es ist ein Fehler aufgetreten!