DAX
25.06.2014 18:49:32
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MÄRKTE EUROPA/Schwache US-Konjunktur belastet Aktien und Dollar
Von Benjamin Krieger
Die Korrektur an den Börsen geht weiter. Unerwartet schwache Konjunkturzahlen aus den USA und der Krieg im Irak lasteten auch am Mittwoch auf Aktien und auf dem US-Dollar. Die US-Wirtschaft ist im ersten Quartal um 2,9 Prozent geschrumpft im Vergleich zum Vorjahr. An den Finanzmärkten hatte man mit einem Rückgang von lediglich 2,0 Prozent gerechnet. "Vor allem der private Konsum, an dem ein Großteil der Konjunktur hängt, hat vollkommen enttäuscht", sagte ein Aktienhändler.
Der Dax verlor 0,7 Prozent auf 9.868 Punkte und entfernte sich damit immer weiter von der 10.000er Marke. Der Euro-Stoxx-50 gab um 1 Prozent auf 3.252 Punkte nach. Das ist wie auch beim DAX der niedrigste Stand seit drei Wochen. Nur wenige europäische Blue Chips konnten sich dem Abwärtssog entziehen.
Bei den US-Wachstumsdaten handelte es sich um die dritte Veröffentlichung. Das erklärt laut Beobachtern auch die starken Reaktionen an den Finanzmärkten. Denn normalerweise weichen die Daten der zweiten Revision nicht mehr sehr von der ersten Revision und von den Prognosen der Volkswirte ab. "Heute wurden die Märkte wirklich auf dem falschen Fuß erwischt", sagte ein Aktienhändler.
Auch der Dollar gab auf breiter Front nach. Der Euro stieg zur US-Währung auf 1,3652 und somit auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Wochen. Kurz vor Veröffentlichung der Daten in den USA handelte der Euro noch mit 1,3615 Dollar. Erschwerend kam hinzu, dass auch die Aufträge für langlebige Güter in den USA im Mai die Prognose nicht erfüllt haben. Auch zum Yen, Schweizer Franken und Pfund Sterling wertete der Greenback ab.
Johannes Jander von der Helaba hob vor allem das schwache Wachstum des privaten US-Verbrauchs von nur einem Prozent hervor. "Das sorgt dafür, dass Zinserwartungen weiter in die Zukunft verschoben werden", sagte der Volkswirt mit Blick auf den Zeitpunkt für wieder steigende US-Leitzinsen. Am US-Bondmarkt rutschte die Rendite zehnjähriger US-Anleihen von 2,57 auf 2,54 Prozent ab. Ein Großteil der gesamten Wirtschaftskraft der USA hängt vom privaten Verbrauch ab.
Das hinterließ auch Spuren am Euro-Rentenmarkt: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel mit 1,26 Prozent auf den niedrigsten Stand seit April. Sinkende Renditen sind gleichbedeutend mit steigenden Anleihekursen. Investoren kauften also in Sorge um den Zustand der Konjunktur in den USA lieber sichere Anleihen als risikoreiche Aktien. Nun winken möglicherweise neue Rekordtiefs auch bei den deutschen Renditen. "Sollte diese Bewegung nachhaltig sein, rücken die Verlaufstiefs von 2012 und 2013 bei 1,13 respektive 1,15 Prozent in den Fokus", prognostizierte das Bankhaus Metzler.
Angesichts des Kriegs im Irak und wegen einer möglicherweise steigenden Nachfrage legte der Preis für ein Fass der US-Ölsorte WTI um 0,1 Prozent auf 106,15 Dollar zu. Der Preis für die Nordseesorte Brent gab dagegen um 0,8 Prozent auf 113,60 Dollar nach. Die USA wollen angesichts sprudelnder Ölquellen im eigenen Land das 40 Jahre alte Ölexportverbot lockern. Damit entstünde dem Brent auf den Weltmärkten mehr Konkurrenz durch US-Rohöl.
Am deutschen Aktienmarkt belastete der Krieg im Irak die Lufthansa-Aktie, die um 1,2 Prozent nachgab. Mit Air France-KLM und IAG verloren auch die Kurse anderer europäischer Airlines an Boden. Generell standen konjunktursensible Aktien und Sektoren wie die Rohstoffproduzenten, der Bausektor und Technologiewerte unter Druck.
Aktien der Deutschen Bank fielen auch nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung um 1 Prozent auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren. "Die Risiken aus den Rechtsstreitigkeiten scheinen die Haltung zu der Aktie weiter zu dominieren", sagte ein Händler. Die von einigen Marktakteuren erwartete starke Kurserholung nach Abschluss der Kapitalmaßnahme bleibe aus.
Der US-Broker Raymond James hat die Aktien von HeidelbergCement laut Händlern abgestuft, was den Kurs um 2,7 Prozent drückte. Eine Hochstufung durch J.P. Morgan schickt dagegen den Metro um 1,5 Prozent nach oben.
An der Pariser Börse verloren Aktien des Versorgers GdF Suez 2,3 Prozent. Der französische Staat hat 3,1 Prozent seiner GdF-Aktien verkauft und hält nun noch 33,6 Prozent. Die Platzierung lastete auf dem Kurs. Frankreich will mit dem Erlös den Einstieg bei Alstom finanzieren, die von General Electric übernommen wird - und bei der Frankreich künftig als Aktionär ein Wort mitreden will.
=== Europäische Schlussindizes am Mittwoch, den 25. Juni:Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung stand absolut in % seit Jahresbeginn Euro-Stoxx-50 3.252,31 -32,50 -1,0% +4,6% Stoxx-50 3.029,40 -30,85 -1,0% +3,8% Stoxx-600 341,94 -3,63 -1,1% +4,2% XETRA-DAX 9.867,75 -70,33 -0,7% +3,3% FTSE-100 London 6.733,62 -53,45 -0,8% -0,2% CAC-40 Paris 4.460,60 -57,74 -1,3% +3,8% AEX Amsterdam 411,93 -3,85 -0,9% +2,5% ATHEX-20 Athen 395,48 -6,07 -1,5% +2,8% BEL-20 Bruessel 3.115,43 -30,01 -1,0% +6,6% BUX Budapest 18.896,69 -122,16 -0,6% +1,8% OMXH-25 Helsinki 2.934,61 -41,25 -1,4% +3,5% ISE NAT. 30 Istanbul 97.483,02 +57,75 +0,1% +18,2% OMXC-20 Kopenhagen 732,85 -6,04 -0,8% +19,1% PSI 20 Lissabon 6.916,58 +66,16 +1,0% +6,5% IBEX-35 Madrid 10.966,70 -139,20 -1,3% +10,6% FTSE-MIB Mailand 21.469,10 -172,14 -0,8% +13,2% RTS Moskau 1.383,02 -38,05 -2,7% -4,1% OBX Oslo 567,36 -8,94 -1,6% +12,7% PX Prag 1.007,64 -9,95 -1,0% +1,9% OMXS-30 Stockholm 1.380,50 -19,87 -1,4% +3,6% WIG-20 Warschau 2.421,10 -38,67 -1,6% +0,8% ATX Wien 2.494,91 -24,87 -1,0% -2,0% SMI Zuerich 8.581,96 -91,31 -1,1% +4,6%
DEVISEN zuletzt '+/- % Mi, 8.26 Uhr Di, 17.13 Uhr EUR/USD 1,3638 0,20% 1,3610 1,3595 EUR/JPY 138,74 0,02% 138,71 138,88 EUR/CHF 1,2161 -0,03% 1,2165 1,2172 USD/JPY 101,75 -0,15% 101,90 102,14 GBP/USD 1,6984 0,05% 1,6976 1,6968 === Kontakt zum Autor: benjamin.krieger@wsj.com
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June 25, 2014 12:19 ET (16:19 GMT)
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