21.07.2026 10:12:38

OTS: Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. / Sondervermögenstracker: ...

Sondervermögenstracker: Jeder fünfte Euro aus dem KTF ist nicht

klimawirksam

Berlin (ots) - Der BNW hat die Posten des Sondervermögens Infrastruktur und

Klimaschutz (SVIK) sowie des Klima- und Transformationsfonds (KTF) durchleuchtet

und ihre Übereinstimmung mit dem Klimaziel 2045 klassifiziert. Im Vergleich zum

Vorjahr steigen die Mittel im KTF, die vollständig oder zum Teil das Klimaziel

bremsen.

20% des KTF nicht klimaziel-kompatibel

Der Klima- und Transformationsfonds (KTF) soll gemäß Gesetzgeber "insbesondere

Maßnahmen [fördern], die geeignet sind, die Transformation Deutschlands zu einer

nachhaltigen und klimaneutralen Volkswirtschaft voranzutreiben." Mit Blick auf

das Haushaltsjahr 2027 sind dafür im Regierungsentwurf 40,3 Milliarden Euro an

Ausgaben veranschlagt. Davon laufen gemäß dem BNW-Sondervermögenstracker

(https://xn--sondervermgen-tracker-qec.de/) 20,3% (+6,9 Prozentpunkte im Vgl. zu

2026) dem Klimaziel vollständig oder in Teilen entgegen. Bei den Posten handelt

es sich beispielsweise um die Zuschüsse für emissionshandelsbedingte

Strompreiserhöhungen (+1 Mrd. Euro im Vgl. zu 2026), den Industriestrompreis

(+2,4 Mrd. Euro im Vgl. zu 2026), den gewachsenen Ausgleich der

Gasspeicherumlage (+24 Mio. Euro im Vgl. zu 2026) sowie die Mittel für die

Umsetzung der nationalen Kraftwerksstrategie (gleichbleibend zu 2026).

"Für 2027 plant das BMF die Zuschüsse an stromintensive Unternehmen zum

Ausgleich von emissionshandelsbedingten Strompreiserhöhungen noch einmal um 25 %

auf insgesamt 5 Milliarden Euro aufzustocken. Zusätzlich sind für den

Industriestrompreis weitere 2,4 Milliarden Euro reserviert. Damit haben sich die

Industriesubventionen beim Strom im KTF in den letzten drei Haushaltsjahren mehr

als verdoppelt. Davon profitiert jedoch nur ein kleiner Kreis besonders

stromintensiver Unternehmen. Sinnvoller wäre es, die Stromkosten für alle zu

senken - vom Mittelstand bis zu privaten Haushalten. Das würde die

Elektrifizierung der gesamten Wirtschaft und Gesellschaft beschleunigen und

damit einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Wettbewerbsfähigkeit leisten", so

Konstantin Litke, Leiter Politik beim Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V.

Mehr Mittel für natürlichen Klimaschutz und effiziente Gebäude

Trotz der deutlich gestiegenen Mittel für Industriezuschüsse und die von 2,5 auf

4,4 Milliarden angestiegenen Globale Minderausgabe ergeben sich durch

Umschichtungen in den einzelnen Programmen auch Gewinne für den Umwelt- und

Klimaschutz. So begrüßt der Verband, dass beispielsweise mehr Mittel für den

Natürlichen Klimaschutz (+348 Mio. Euro im Vgl. zu 2026), zur Förderung der

Energieeffizienz und Erneuerbaren im Gebäudebereich (+590 Mio. Euro im Vgl. zu

2026) sowie für die Umsetzung der nationalen Kreislaufstrategie (+35 Mio. Euro

im Vgl. zu 2026) reserviert sind.

"Dass einzelne Posten mit positiver Klimaschutzwirkung aufgestockt werden, darf

nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach wie vor zu viel Geld des KTF in

klimaschädliche Projekte fließt. Gegenüber dem Vorjahr ist der Wert sogar

gestiegen. Ohne Anpassungen in den Haushaltsverhandlungen könnte jeder fünfte

KTF-Euro in Ausgaben fließen, die das Klimaziel zum Teil bremsen", so Lukas

Fox, stellvertretender Leiter Politik beim Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft

e.V.

SVIK bremst weder das Klimaziel, noch zahlt es mehr darauf ein

Gemischt fällt die Bilanz für die geplanten Ausgaben des Bundesanteils im SVIK

aus. Hier zeigt die Auswertung des Sondervermögenstrackers: Der Anteil an

Posten, die das Klimaziel vollständig oder zum Teil bremsen, ist mit einem

Zuwachs von 0,5 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant. Nicht

oder nur in Teilen mit dem Klimaziel kompatibel sind aus Sicht des Verbandes

unter anderem die Zuwendungen aus dem SVIK zur Finanzierung der LNG-Terminals

(-59 Mio. Euro im Vgl. zu 2026) sowie die Gelder an die PCK-Schwedt (unverändert

zu 2026) und die Mittel zum Erhalt der Brücken und Tunnel im Bestandsnetz der

Bundesautobahnen (-440 Mio. Euro im Vgl. zu 2026).

Im Vergleich zu 2026 finden sich im Regierungsentwurf für 2027 mehr neutrale

Posten ohne dezidierte Klimaschutzwirkung. Sie machen 46,5% des

SVIK-Bundesanteils aus und damit 8,3 Prozentpunkte mehr als noch 2026. Dies ist

unter anderem auf die Vielzahl an Maßnahmen zur Digitalisierung der Verwaltung

zurückzuführen. Für 2027 finden sich allein sieben verschiedene Posten, die

Mittel für die Digitalisierung unterschiedlicher Bundesverwaltungen

bereitstellen. Im Tracker neutral bewertete Posten mit weniger Mitteln sind z.B.

das Investitionsprogramm Kindertagesbetreuung (-506 Mio. Euro im Vgl. zu 2026)

oder die Sanierung kommunaler Sportstätten (-783 Mio. Euro im Vgl. zu 2026).

"Mit Blick auf das SVIK sendet der Haushaltsentwurf ein problematisches Signal :

Obwohl der Bundesanteil des Sondervermögens 2027 nicht weniger klimaschädlich

wird, verliert der Klimaschutz deutlich an Priorität. Der Anteil der Ausgaben,

die ganz oder teilweise auf die Klimaziele einzahlen, sinkt von 51,9 % im Jahr

2026 auf 44,1 % im Jahr 2027. Gleichzeitig steigt der Anteil neutral bewerteter

Ausgaben von 38,2 % auf 46,5 %. Statt die zusätzlichen Mittel konsequent für die

ökologische Transformation einzusetzen, nutzt der Bund das Sondervermögen

zunehmend zur Modernisierung der Verwaltung", so Litke weiter.

Mehr Klimatransparenz im SVIK

Ziel des Sondervermögenstrackers ist es, die Transparenz über die Klimawirkung

öffentlicher Investitionen zu erhöhen und eine Debatte über die Ausrichtung und

Wirksamkeit der Investitionen aus dem SVIK und KTF anzustoßen. Die abgebildeten

Zahlen basieren auf den Haushaltsdaten der Bundesregierung und werden mit jedem

neuen Bundeshaushalt aktualisiert. Der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V.

kategorisiert und bewertet die Zahlen.

"500 Milliarden Euro dürfen kein Verschiebebahnhof für Milliarden sein. Sie

müssen nachvollziehbar in unsere Zukunft investieren. Transparenz schafft

Vertrauen - und zeigt, welche Ausgaben unser Klimaziel voranbringen und welche

ihm entgegenstehen. Denn Schulden für die Zukunft sind nur dann gut investiert,

wenn sie auch Zukunft schaffen", so Alma Spribille, WEtell-Geschäftsführerin und

BNW-Vorständin.

Zum BNW-Sondervermögenstracker (https://xn--sondervermgen-tracker-qec.de/)

Pressekontakt:

Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V.

Joscha Frost

Pressereferent

mailto:presse@bnw-bundesverband.de

Tel.: +49 1525 673 54 66

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/154982/6318508

OTS: Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V.

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