15.04.2026 08:46:38

OTS: Deloitte / Exportwachstum der Industrie droht Halbierung bis 2035 / ...

Exportwachstum der Industrie droht Halbierung bis 2035 / Ausfuhren

könnten künftig um rund ein Prozent statt bisher zwei Prozent jährlich

zulegen

München (ots) -

- Exporte in die USA und China gehen laut aktueller Modellierung langfristig

zurück

- Absatzvolumen in Europa mit 417 Milliarden Euro deutlich größer als in Amerika

und Asien

- Frankreich bereits jetzt zweitgrößter Exportmarkt vor China

Die Exporte der deutschen Industrie könnten künftig deutlich langsamer wachsen

als bisher. Sind sie in den vergangenen zehn Jahren um 2,1 Prozent pro Jahr

gestiegen, könnte sich das Wachstum bis 2035 auf 1,3 Prozent jährlich

reduzieren, wie eine aktuelle Modellierung von Deloitte zeigt. Entscheidend für

den Rückgang ist, dass die Ausfuhren in die beiden größten Märkte - USA und

China - langfristig sinken könnten. Exporte in die Vereinigten Staaten gehen

nach dieser Prognose um -1,5 Prozent pro Jahr zurück auf 65 Milliarden Euro in

2035, die Ausfuhren nach China um -1,7 Prozent auf 41 Milliarden Euro. Ende 2025

lag das Volumen bei den beiden Ländern bei 76 beziehungsweise 49 Milliarden

Euro.

Die volatile Handelspolitik in jüngster Zeit hat der exportorientierten

deutschen Industrie erheblich zu schaffen gemacht. Im vergangenen Jahr sind die

Ausfuhren in die USA im Vergleich zu 2024 um -13 Prozent und die nach China um

-16 Prozent zurückgegangen. China wurde damit als zweitgrößter Absatzmarkt von

Frankreich überholt. Die Ausfuhren dorthin lagen 2025 - trotz eines Rückgangs um

drei Prozent - mit 50 Milliarden Euro knapp vor China. "Es ist damit zu rechnen,

dass auch die Industrieexporte in die Niederlande und Großbritannien die

Ausfuhren in die Volksrepublik in wenigen Jahren übersteigen", sagt Oliver

Bendig, Partner und Leiter der Industrie-Beratung bei Deloitte. "Als

Industrienation braucht Deutschland ein neues Geschäftsmodell."

Die aktuelle Modellierung in der Studienreihe "Supply Chain Pulse Check" basiert

auf dem Global Trade Analysis Project (Purdue University) und analysiert die

künftigen Handelsmuster zwischen Deutschland und 71 Ländern in den Branchen

Maschinenbau, Elektro-, Auto- und Chemieindustrie. Berücksichtigt wurden unter

anderem BIP-Wachstum, Trends in der geopolitischen Ausrichtung zwischen

Deutschland und dem jeweiligen Handelspartner sowie die Entwicklung von Zöllen

und nicht-tarifären Handelshemmnissen bis einschließlich März 2026. Die

Exportdaten der vergangenen Jahre wurden vom Statistischen Bundesamt erhoben.

Eine vergleichbare Deloitte-Modellierung von 2024 ging von einem jährlichen

Wachstum der Industrieexporte von rund zwei Prozent aus.

Indien und Brasilien mit erheblichem Potenzial

Auch die Absätze in große Länder des globalen Südens wie Indien und Brasilien

sind 2025 um zwei beziehungsweise drei Prozent gesunken. Langfristig liegt hier

jedoch erhebliches Potenzial. Die Ausfuhren nach Indien könnten nach der

vorliegenden Projektion um 3,9 Prozent, die Exporte nach Brasilien um 4,1

Prozent wachsen. Damit würde der Absatz in diese beiden Länder 2035 bei 13

beziehungsweise 11 Milliarden Euro liegen. Auch Australien könnte mit einer

Steigerung von 4,7 Prozent auf neun Milliarden Euro an Bedeutung gewinnen. "Die

neuen Freihandelsabkommen sind Grund zur Hoffnung", sagt Dr. Jürgen Sandau,

Partner und Lieferkettenexperte bei Deloitte. "Doch Hoffnung allein reicht

nicht. Die Unternehmen müssen ihre Lieferketten wie auch ihre Absatzmärkte

diversifizieren und Europa muss seine Handelshemmnisse im Binnenmarkt weiter

abbauen."

Die Ausfuhren in große europäische Märkte wie die Niederlande (3%),

Großbritannien (4%) und Polen (6%) haben auch im vergangenen Jahr zugelegt.

Dieser Trend bleibt nach der vorliegenden Modellierung bestehen. So könnten die

Absätze nach Polen und Spanien um 2,9 und 2,3 Prozent auf 56 und 38 Milliarden

Euro in 2035 wachsen. In Summe könnten die zehn größten Märkte in Europa im Jahr

2035 ein Volumen von 417 Milliarden Euro aufweisen - beinahe doppelt so viel wie

in den größten Märkten Asiens und Amerikas inklusive China und der USA.

Langfristig könnte das Potenzial in Europa sogar größer ausfallen, wenn

Handelshemmnisse innerhalb der Europäischen Union in größerem Umfang abgebaut

werden.

Hier finden Sie die aktuelle Ausgabe des "Supply Chain Pulse Check" (https://www

.deloitte.com/de/de/Industries/industrial-construction/research/supply-chain-pul

se-check.html).

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