06.11.2014 13:38:00
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Porr und UBM wollen sich Markt in Europa sinnvoll aufteilen
UBM werde hauptsächlich Polen, Tschechien, Niederlande und Frankreich als Developer abdecken, Österreich die derzeit der Porr gehörende Strauss & Partner, den deutschen Markt die ebenfalls zum Mischkonzern zählende Münchner Grund Immo Bauträger, sagte Porr-CEO UBM-Aufsichtsratschef Karl-Heinz Strauss in einem Pressegespräch. In Deutschland sollen die Marktauftrittskosten gesenkt und Österreich gezielter bearbeitet werden können. Auch die unterschiedlich weit entwickelten Pipelines würden sich gut ergänzen. Den Fokus werde man auf liquide Märkte wie Österreich, Deutschland und Polen legen, "denn wir wollen alles, was wir bauen, auch verkaufen können".
Wie berichtet soll ein von der Porr abgetrennter Immo-Teil nebst Projektgesellschaften von Strauss & Partner in der PIAG Immobilien AG zusammengeführt werden - die Abspaltung soll kommende Woche ins Firmenbuch eingetragen werden. Ab der ersten oder zweiten Dezember-Woche soll die PIAG an der Börse notieren, aber nur zwei Monate lang bis Mitte Februar, um dann in der UBM aufzugehen.
Die durch einen "downstream merger" um die PIAG erweiterte UBM - die Fusion soll in der zweiten Jänner-Woche auf Aktionärsversammlungen der beiden Gesellschaften beschlossen werden - soll an der Börse vom Standard auction market gleich in das Standard-continuous-Segment gehen. Nach zirka ein bis eineinhalb Jahren solle ein Wechsel in den Prime Market erfolgen, in dem die Porr AG bereits ab Anfang 2015 gelistet sein soll, sagte Strauss. Wie bei Porr werde es auch bei UBM "definitiv keinen Rückzug von der Börse geben - wir sind gekommen, um zu bleiben", betonte er.
Beide Gesellschaften, auch die "UBM neu", stehen künftig mehrheitlich unter Kontrolle des Syndikats von Ortner-Gruppe (rund um Klaus Ortner) und Strauss-Gruppe, doch soll bei der UBM später der Streubesitz auf über 50 Prozent erhöht werden, wie der AR-Chef ankündigte. Entweder solle dies durch Hereinnahme eines strategischen Partners oder durch eine Kapitalerhöhung erfolgen, so Strauss.
Zudem soll die UBM durch die Verbreiterung und die künftig größere Transparenz für das Börsenpublikum und die Analysten attraktiver sein. Allerdings werde die PIAG-Aktie - für jedes Porr-Papier soll es ja jeweils eines der Abspaltungs-Gesellschaft dazu geben - zunächst wohl unter Druck kommen, rechnet Strauss. Die Papiere seien ja zu über 40 Prozent quer durch Europa bis hin in die USA gestreut. Ob diese Aktionäre alle unbedingt ein Immobilien-Papier wollten, ist für den Porr-Chef nicht sicher, viele wollten vielleicht nur eine Bau-Aktie. Das Syndikat würde verfügbare Aktien jedenfalls aufgreifen, stellte er in Aussicht.
Auch künftig werde die Porr nicht alle Projekte der UBM bauen, gibt sich Strauss bescheiden, der von nicht mehr als 50 bis 60 Prozent Anteil ausgeht: "Der Immo-Developer UBM wird ausschreiben und muss auch die Freiheit haben, durch jemanden anderen bauen zu lassen." Vor allem im Hotelsektor hat die UBM große Erfahrung, "bisher haben wir schon mehr als 7.000 Zimmer errichtet", so Vorstandschef Karl Bier. Doch auch die Porr verfügte etwa im Jahr 2011 laut Strauss über mehr als 5.000 Hotelbetten.
UBM soll nicht nur ein Wachstumswert, sondern auch - weiterhin - ein Dividenden-Papier sein. Für 2014 gibt es mehr Dividende, avisierte Bier. Die Porr-Tochter, die künftig mehrheitlich vom Strauss/Ortner-Konsortium beherrscht wird, steuert heuer sogar "dank" der abflauenden Konjunktur auf ein Rekordjahr zu - zumindest bei den Erlösen (Leistung), möglicherweise auch bei den Gewinnzahlen, die nach drei Quartalen deutlich verbessert werden konnten.
Die wirtschaftliche Eintrübung wirkt sich bei der UBM eher positiv aus, wie CEO Bier im Quartals-Pressegespräch sagte. Speziell im Wohnbau und von Investmentfonds gebe es großes Interesse: "Es geht weiterhin viel Geld in Betongold." In Salzburg habe man etwa bisher von 12 Penthäusern bereits elf verkauft - und zwar zu Preisen, die man selbst für unglaublich hoch hält, nämlich zu 8.000 bis 10.000 Euro pro m2. Das Preis-Wachstum habe sich zwar etwas eingegrenzt, die Nachfrage sei aber weiterhin so gut, dass UBM heuer ebenso viel baue wie sie im Vorjahr veräußert habe, speziell in Deutschland, in Österreich etwas weniger. Bier: "Wir sind optimistisch, dass diese Nachfrage auch 2015 anhält. Wir haben von Berlin, Frankfurt, München oder Hamburg keine Anzeichen einer Eindämmung."
Im Gesamtjahr 2014 werden die Gesamteinkünfte von UBM mit voraussichtlich 385 Mio. Euro um knapp 100 Mio. Euro höher als 2013 sein, erwartet man. Ob man auch einen neuen Gewinnrekord schafft, "kann seriöser Weise noch nicht gesagt werden". Bis September stieg die Leistung um 62,2 Prozent von 158,7 Mio. Euro auf 257,4 Mio. Euro. Der Gewinn vor Steuern (EBT) legte gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 2,7 Mio. Euro oder 31,4 Prozent auf 11,3 Mio. Euro zu.
Bis September wurde zwar mit 47,7 Mio. Euro um 24 Mio. Euro (34 Prozent) weniger investiert als im Vergleichszeitraum des Vorjahres - etwa durch Verzögerungen bei einem Altstadt-Projekt in Wroclaw (Breslau). Bis Jahresende aber soll ein Großteil der budgetierten 100 Mio. Euro veranlagt werden. In Summe habe man heuer aber neue Projekte für rund 200 Mio. Euro angestoßen, so Bier. Das Ost-Exposure hat UBM in den vergangenen drei Jahren deutlich reduziert, heute liegt der Schwerpunkt zu 75 bis 80 Prozent in Deutschland, Österreich und dem übrigen Westeuropa.
Die UBM-Gruppe beschäftigt 506 Mitarbeiter, davon 218 operativ in der UBM und 288 als Angestellte in den Hotelbeteiligungen.
(Schluss) sp/ivn
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