25.06.2015 17:31:39
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ROUNDUP: Kurzarbeit in der Porzellan-Manufaktur - keine Entlassungen geplant
MEISSEN (dpa-AFX) - In der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen greift für einen Teil der Belegschaft vom 1. Juli an Kurzarbeit. "Entlassungen sind nicht geplant", sagte Geschäftsführer Tillmann Blaschke der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Die Kurzarbeit, die für die Dauer von einem Jahr für 90 Mitarbeiter beantragt wurde, soll genutzt werden, um verschiedene Geschäftsbereiche neu zu strukturieren. Während es bei Tischgeschirr und Deco schon länger "Luft" gebe, verbuche der Bereich Kunstwerke und Figuren steigende Auftragseingänge. "Da haben die Kunden teils lange Wartezeiten. Hier können und wollen wir mehr machen", so Blaschke. Die Lieferfähigkeit der Manufaktur bleibe für ihre Produkte aber erhalten. Über die Kurzarbeit hatte zuerst die "Sächsische Zeitung" berichtet.
Die Kurzarbeit soll auch genutzt werden, um Mitarbeiter für andere Unternehmensbereiche zu qualifizieren. Blaschke geht davon aus, dass die Arbeitszeit nur wenige Stunden herabgesetzt wird und nicht alle 90 Mitarbeiter der Abteilung "Tisch und Tafel" betrifft. "Ich habe mir jetzt ein paar Monate die Dinge hier angeschaut und nun ein paar Maßnahmen festgelegt", sagte Blaschke. Dazu gehört auch, dass der Manufaktur-Chef selbst auf 20 Prozent seines Gehalts verzichtet.
Blaschke führt seit dem Weggang von Christian Kurtzke im März die Geschäfte. Dieser hatte die Manufaktur seit 2008 einem radikalen Wandel unterzogen und zu einem internationalen Luxusgüter-Konzern umgebaut. Aktuell hat das Unternehmen rund 650 Mitarbeiter. Bereits Anfang 2010 befanden sich etwa ein Drittel der Beschäftigten in Kurzarbeit, im selben Jahr wurden 180 Mitarbeiter entlassen.
2013 wies der Staatsbetrieb einen Fehlbetrag von 2,2 Millionen Euro aus und erhielt ein Gesellschafterdarlehen vom Freistaat von 12,2 Millionen Euro. 2014 kamen laut Finanzministerium weitere Kredite von 9,8 Millionen Euro dazu - insgesamt beläuft sich die Summe der Darlehen damit auf 22 Millionen Euro. Bereits 2008 hatte Sachsen 7,5 Millionen Euro zugeschossen, die später in Eigenkapital umgewandelt wurden und nicht zurückgezahlt werden müssen.
Eine neu gegründete Meissen Porzellan-Stiftung, deren Gesellschafter der Freistaat ist, soll zudem Museumsobjekte und Modellformen der Manufaktur kaufen. Damit bekommt das Unternehmen weiteren finanziellen Beistand. Laut Finanzministerium ist der Ankauf der Museumsstücke abgeschlossen - rund 15,6 Millionen Euro wurden dafür gezahlt. Über den Kauf der Formen laufen derzeit den Angaben zufolge noch die Gespräche zwischen Stiftung und Manufaktur.
Angesichts des "anhaltenden Zuschussbedarfs" aus Steuergeldern forderte die Linke eine Rückbesinnung auf die Kernkompetenz Porzellan sowie eine realistische Einschätzung, was den Umbau in einen internationalen Konzern für Luxusgüter betreffe. Haushaltsexperte Sebastian Scheel rief den Freistaat dazu auf, den Mitarbeitern eine Arbeitsplatzgarantie zu geben. Die Beschäftigten hätten die Hauptlast der Umstrukturierungen der vergangenen Jahre getragen, hieß es.
Laut Manufaktur-Chef Blaschke macht das Porzellan knapp 90 Prozent des Geschäfts aus. "Das wird auch weiter ein zentraler Bestandteil des Unternehmens sein." Zugleich aber sollen auch die anderen Geschäftsbereiche wie Mode, Schmuck und Möbel weiterentwickelt werden. Blaschke kündigte zudem an, die Produktpalette überarbeiten zu wollen./raz/DP/she
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