19.02.2015 14:39:30
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UPDATE: EZB-Rat erhöhte Bond-Ankaufvolumen von 50 auf 60 Mrd EUR
--EZB-Rat veröffentlicht erstmals Ratssitzungsprotkoll
--EZB-Direktorium besorgt über Marktauswirkungen von abwartender Haltung
--EZB hob Ankaufvolumen an, um kraftvolles Signal zu geben
(NEU: Details als dem Sitzungsprotokoll)
Von Hans Bentzien
Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat sich am 22. Januar 2015 trotz besserer Wachstumsaussichten und aus Sorge vor einer Entankerung der Inflationserwartungen zum Ankauf von Staatsanleihen entschlossen. Wie aus dem erstmals veröffentlichten Protokoll hervorgeht, befürwortete "eine große Mehrheit der Ratsmitglieder" das Programm, während "einige Mitglieder" Bedenken anmeldeten.
Das Protokoll enthält einige interessante Details, bringt aber vor dem Hintergrund der Pressekonferenz Mario Draghis am 22. Januar keinen grundsätzlichen Erkenntnisgewinn. Kritische Positionen zum Ankauf von Staatsanleihen, die Bundesbank-Präsident Jens Weidmann in letzter Zeit vertreten hat, finden sich in dem 14-seitigen, Papier - allerdings ohne Zuordnung - wieder. Auch das Abstimmungsverhalten verrät das Protokoll nicht.
Interessantestes Detail: Das ursprünglich vom Direktorium vorgeschlagene Ankaufvolumen korrigierte der Rat von 50 auf 60 Milliarden Euro pro Monat nach oben. Zur Begründung hieß es, um eine schnellere Wirkung zu erzielen, sollten Käufe vorgezogen werden, ohne das geplante Gesamtvolumen deutlich zu verändern. Der EZB-Rat hatte am 22. Januar beschlossen, ab März Anleihen für monatlich 60 Milliarden Euro anzukaufen, und zwar bis September 2016 oder aber so lange, bis sich der Inflationsausblick aus Sicht der EZB ausreichend verbessert hat.
Laut Protokoll wurden verschiedene Optionen und Varianten erwogen. So wurde die Möglichkeit, mit Staatsanleihen noch abzuwarten, zwar diskutiert, aber angesichts des unerwartet deutlichen Inflationsrückgangs als zu riskant verworfen.
Diskutiert wurde zudem, nur Anleihen mit erstrangiger Bonität (AAA-Rating) anzukaufen. Auch das wurde aber verworfen, weil ein solches Vorgehen als zu wenig wirksam betrachtet wurde. Das EZB-Direktorium war besorgt, dass die Finanzmärkte negativ reagieren würden, wenn die EZB nicht erwarteten Maßnahmen "liefern" würde.
Die Bedenken Jens Weidmanns und "einiger" anderer Ratsmitglieder betrafen vor allem den Ankauf von Staatsanleihen. Das Protokoll erwähnt, dass sich alle Ratsmitglieder einig in der Einschätzung waren, dass Staatsanleihekäufe ein geldpolitisches Instrument sind. Allerdings waren manche der Ansicht, dass sein Einsatz wirklichen Notfällen vorbehalten bleiben sollte.
Auch Zweifel am Handlungsdruck infolge niedriger Inflationsraten wurden geäußert: Der niedrige Preisdruck beruhe auf dem Rückgang des Ölpreises und werde mit der Zeit zu höherer Inflation führen. Die auf Marktgrößen basierenden Inflationserwartungen könnten verzerrt sein.
Wie seit 22. Januar bekannt, ließ sich die Mehrheit der Ratsmitglieder von solchen Bedenken nicht beeindrucken. Bei der nächsten Sitzung am 5. März in Zypern wird der EZB-Rat das Programm offiziell in Gang setzen.
Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com
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February 19, 2015 08:08 ET (13:08 GMT)
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