| Bullen gegen Bären |
09.08.2026 07:50:00
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Gewinnblase oder Megatrend? Warum sich BCA-Strategen bei KI völlig uneinig sind
- Bei BCA streiten die eigenen Chefstrategen über die KI-Rally
- Bären warnen vor einer Gewinnblase und viel zu teuren Bewertungen
- Bullen sehen die Rechenleistung knapp und die Investitionen unterschätzt
Drei Jahre nach dem Beginn der großen KI-Rally hat der US-Markt einige der besten Renditen und zugleich die extremste Konzentration seit Jahrzehnten geliefert. Trotzdem ist sich die Wall Street uneiniger denn je, ob hier die stärkste Gewinnstory seit Langem entsteht oder die größte Blase seit dem Jahr 2000. Wie tief der Riss verläuft, zeigt eine interne Debatte des Analysehauses BCA aus dem Juli, bei der die eigenen Chefstrategen in zwei Lager zerfielen. Für Anleger ist das keine akademische Frage, denn am Ausgang hängt, wie der von wenigen Technologiewerten getragene S&P 500 weiterläuft.
Die Bären sehen eine Gewinnblase
Für Peter Berezin, Chefökonom bei BCA, und Arthur Budaghyan, den Chefstrategen für Schwellenländer, ruht der Fall auf einer unbequemen These: Die Gewinne seien zwar hoch, doch die Margen weniger dauerhaft, als sie wirkten, und die Kurse preisten längst das beste aller Szenarien ein. Rechnet man die Bewertung auf die Margen von 2019 zurück, käme der breite Markt auf ein KGV von 27 gemessen an den erwarteten Gewinnen und läge damit über dem Höhepunkt der Dotcom-Blase vom März 2000, als der Wert bei rund 26,5 gipfelte. Klammert man Technologie- und Finanzwerte aus, handelt der Rest der Börse mit einem KGV von 26 auf Basis der laufenden Gewinne, bei einem Gewinnwachstum von nur rund drei Prozent über die letzten zwei bis drei Jahre.
Streit um die Milliarden für Rechenzentren
Den härtesten Streit liefert die Frage, was die gewaltigen Investitionen in Rechenzentren, Chips und Stromnetze wirklich wert sind. Aus Sicht der Bären erzeugen sie Gewinne, zehren aber an der Substanz. Jeder verkaufte Chip schlägt beim Hersteller als Umsatz und Gewinn zu Buche, während ihn die Hyperscaler als Investition verbuchen statt als laufende Kosten. So steigen die ausgewiesenen Ergebnisse, ohne dass der Mittelzufluss mithält. Berezin zieht den Vergleich zur Elektrizität: KI werde Unternehmen effizienter machen, aber nicht zwangsläufig profitabler, wenn am Ende jeder darauf zugreifen könne.
Meta und Alphabet als Kronzeugen der Bullen
Dagegen halten Juan Correa, bei BCA für die Portfoliokonstruktion zuständig, und Aktienchef Noah Weisberger. Sie sehen den Markt für Rechenleistung eher als knapp denn als überversorgt und halten die Rendite der Investitionen für unterschätzt statt überschätzt. Als Beleg führen sie an, dass die Auftragsbestände der Cloudanbieter binnen zweier Quartale um rund 750 Milliarden US-Dollar gewachsen seien und sich die Vertragswerte je Megawatt gegenüber dem Vorjahr etwa verdoppelt hätten. Zudem seien die Mietraten für die jeweils neueste Chipgeneration im Jahresverlauf 2026 gestiegen.
Zugleich reiche die Gewinnstärke breiter als nur bis zu den üblichen Verdächtigen. Außerhalb des klassischen Cloudgeschäfts wachsen die Erträge kräftig, etwa im KI-getriebenen Werbegeschäft von Meta und in der wiedererstarkten Suche von Alphabet. Gemessen an ihren Erträgen seien die Hyperscaler so günstig bewertet wie seit einem Jahrzehnt nicht.
Am Ende zählt das Timing
Worüber beide Lager nicht streiten: dass KI real ist und die Wirtschaft umbaut, von der Produktivität über die Kapitalflüsse bis zum Arbeitsmarkt. Der Streit dreht sich allein um das Timing, also darum, wie lange die Ausgaben die Zweifel überholen können und wie heftig der Markt reagiert, wenn die Abrechnung kommt. Selbst die Bullen räumen ein, dass der Investitionszyklus irgendwann endet, vermutlich auf destruktive Weise. Für den Moment aber, so ihr Argument, überwiegen die konjunkturellen Rückenwinde. Ihre größte Sorge ist nicht die Rezession oder ein Gewinneinbruch, sondern eine schlichte Stauchung der Bewertungen.
Den nächsten belastbaren Datenpunkt liefern die Quartalsberichte der großen Technologiekonzerne in den kommenden zwei Quartalen. Genau dort erwarten die Bullen, dass der Markt überrascht, wie viel Geld die Investitionen tatsächlich schon abwerfen. Bleibt diese Überraschung aus, bekommen die Bären ihr Argument.
Julia Walter, Redaktion finanzen.at
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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