10.07.2014 10:20:32
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MÄRKTE EUROPA/Portugiesische Ansteckungsgefahr verhindert Erholung
Von Herbert Rude
Nach dem jüngsten Rückschlag an den europäischen Aktienbörsen bleiben die Stabilisierungsversuche wacklig bzw. bleiben aus. Der Dax gibt im frühen Handel um 0,3 Prozent nach auf 9.778 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 gibt um 0,4 Prozent nach. Etwas Rückenwind für Aktien und Euro kommt von der US-Notenbank, dagegen verunsichern erneut schwache Konjunkturdaten aus Frankreich und vor allem die Meldungslage um die portugiesische Holding Espirito Santo die Anleger.
Wie befürchtet hat Espirito Santo die Rückzahlung von Geldmarktpapieren verschoben. "Die Zuspitzung der Krise da unten dehnt sich auch auf Spanien und Italien aus", so ein Händler. Investoren werde immer schmerzlicher bewusst, dass sie in Anleihen dieser Staaten überinvestiert waren. "Kurzzeitig lagen Spaniens Renditen sogar unter denen der US-Treasuries. Das wird nun angesichts der Espirito-Krise massiv korrigiert". In den vergangenen Tagen waren die Renditen Portugals, aber auch Spaniens und Italiens deutlich gestiegen.
Wie erwartet weiter unter Druck stehen in Portugal die Aktien der Beteiligten. Der Kurs der Finanzholding Espirito Santo Financial fällt um 5,5 Prozent, Banco Espirito Santo geben um 7,2 Prozent nach. Auch für Portugal Telecom geht es um weitere 3,1 Prozent abwärts. Das Unternehmen ist in der unglücklichen Lage, Gläubiger dieser Papiere zu sein.
Augenfällig wurde die Angst vor einer Ausweitung der Krise zuletzt auch am Markt für Kreditausfallversicherungen (CDS). Diese waren für spanische und italienische Banken und auch Staatsanleihen beider Länder am Vortag noch stärker nachgefragt als für portugiesische Institute. Am spanischen Aktienmarkt verlieren BBVA-Aktien am Donnerstag 1,2 Prozent, der europäische Bankensektor verliert 0,7 Prozent. Die Börse in Portugal setzt ihre Talfahrt der vergangenen Tage fort und verliert gut 1 Prozent.
Am Anleihemarkt steigt die Rendite spanischer Zehnjahrespapiere leicht, während sie bei ihren italienischen Pendants sinkt. Weiter abwärts geht es mit der Rendite der als sichere Hafen geltenden deutschen Bundesanleihe und zwar von 1,23 auf 1,21 Prozent. Das bisherige Rekordtief liegt bei 1,12 Prozent.
Auch schwache Konjunkturdaten aus Asien dämpfen die Stimmung am Aktienmarkt etwas. Mit einem Anstieg der Exporte Chinas um 7,2 Prozent im Juni wurde die Konsensschätzung von 10 Prozent klar unterboten. Und Japans Maschinenbauaufträge sind im Mai um 14,3 Prozent stark zurückgegangen.
Positiv wird dagegen das Protokoll der jüngsten Sitzung der US-Notenbank gewertet. Darin werden die Risiken am Arbeitsmarkt und die niedrige Inflation hervorgehoben. "Die US-Notenbank sorgt sich weiterhin mehr um das Wachstum als um die Inflation", sagt Stan Shamu von IG Markets. Am Markt heißt es, dass sich damit die Erwartung für die ersten Zinserhöhungen in den USA an den Finanzmärkten zeitlich wieder etwas nach hinten verschieben. Das komme risikoreichen Anlagen wie Aktien tendenziell zugute und schwäche den Dollar.
Bei Einzelwerten am deutschen Aktienmarkt stehen TUI mit einem Plus von 2 Prozent auf 11,51 Euro im Blick, nachdem J.P.Morgan die Aktien mit einem Kursziel von 14,50 Euro auf "Übergewichten" angehoben hat. Erleichtert reagiert der Markt auf die Quartalszahlen von Südzucker, die um 4,1 Prozent steigen. "Endlich gibt es mal keine Gewinnwarnung von Südzucker", sagt ein Händler mit Blick auf mehrere Gewinnwarnungen des Zuckerproduzenten in der jüngeren Vergangenheit. Der operative Gewinn liege im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres um mehr als ein Viertel über der Konsensprognose.
Positiv sehen Händler auch den Zwischenbericht von Gerresheimer Glas, ein Marktteilnehmer spricht von "soliden" Geschäftszahlen. Im frühen Handel geht es um 3,8 Prozent nach oben.
Im Tagesverlauf steht in Europa die Sitzung der Bank of England im Blick. "Jedes Andeuten einer strafferen Geldpolitik könnte das Pfund zum Dollar durch die Hochs der vergangenen Woche treiben", sagt IG-Markets-Analyst Shamu. Im Schlepptau könnte dann auch der Euro zum Dollar weiter steigen.
Die jüngsten Gewinne verteidigen kann die Feinunze Gold. Sie geht mit gut 1.330 Dollar um und damit wie das Pfund Sterling nur knapp unter den jüngsten Hochs. Technische Analysten sehen bei einem nachhaltigen Anstieg über den Widerstandsbereich um 1.331 Dollar weiteres Aufwärtspotenzial.
DEVISEN zuletzt +/- % 0.00 Uhr Mi, 17.40 Uhr EUR/USD 1,3635 -0,0% 1,3641 1,3632 EUR/JPY 138,41 -0,2% 138,63 138,63 EUR/CHF 1,2149 -0,0% 1,2155 1,2154 USD/JPY 101,52 -0,1% 101,64 101,68 GBP/USD 1,7134 -0,1% 1,7156 1,7132 Kontakt zum Autor: herbert.rude@wsj.com DJG/hru/gos (END) Dow Jones Newswires
July 10, 2014 03:51 ET (07:51 GMT)
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Südzucker AG (Suedzucker AG) | 10,85 | -0,82% |
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