12.09.2014 18:17:58
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Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel von Stefan Stark zur weltweiten Klimapolitik
Regensburg (ots) - Eine brisante Meldung wäre vergangene Woche im
Dickicht der weltpolitischen Krisenmeldungen fast untergegangen -
obwohl sie langfristig mehr Explosionskraft besitzt als alle
aktuellen Kriege und Konflikte zusammengenommen: Die
CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre schnellt auf ein neues Hoch,
bilanzierte die Weltorganisation für Meteorologie in ihrem jüngsten
Sachstandsbericht. Damit gewinnt nicht nur der Treibhausgaseffekt an
Fahrt. Gleichzeitig versauern auch noch die Ozeane - mit unabsehbaren
Folgen für die Nahrungskette in den Meeren. Dieses Fazit der
Wissenschaftler ist eine schallende Ohrfeige für die Mächtigen der
Welt, die sich in zwei Wochen in New York wieder einmal zu einem
Klimagipfel treffen. Die Folgen der vom Menschen gemachten
Erderwärmung sind hinlänglich beschrieben. Wetterextreme werden
künftig zur Normalität und der Begriff "gemäßigte Klimazonen" könnte
in die Geschichtsbücher eingehen. Während manche Regionen in
jährlichen "Jahrhunderthochwassern" absaufen, werden andere von
langen Hitze- und Dürreperioden heimgesucht. Mit viel größerer Wucht
wird der Rekord im Treibhaus Erde allerdings die Gebiete treffen, wo
die Menschen heute schon massiv unter dem Klimawandel leiden. Südlich
der Sahara, aber auch in Südamerika und Asien sind die Wüsten auf dem
Vormarsch. Riesige Flächen Ackerland verwandeln sich in unfruchtbare
Einöden und Trinkwasserbrunnen versiegen. Schon jetzt werden jedes
Jahr ganze Landstriche unbewohnbar - mit drastischen Konsequenzen,
die auch wir spüren werden. So sind "Klimakriege" keine Science
Fiction, sondern bittere Realität - etwa der blutige Bürgerkrieg im
Südsudan. Hauptursache waren Verteilungskämpfe um die immer knapperen
Nahrungs- und Wasserressourcen. Und auch an den Begriff
"Klimaflüchtling" werden wir uns gewöhnen müssen. Nicht nur die
Hunderttausenden Vertriebenen aus Darfur darf man dazu zählen. Auch
auf der entgegengesetzten Seite der Erde kommt es wegen des
Klimawandels zu Flüchtlingsströmen. Unlängst hat Neuseeland als
erster Staat der Welt Klimaflüchtlinge anerkannt und einer Familie
aus Tuvalu Asyl gewährt. Der Inselstaat versinkt langsam aber sicher
unter dem ansteigenden Meeresspiegel. Irgendwann werden die
Klima-Vertriebenen auch bei uns an die Tür klopfen. Hinhalten,
aussitzen, auf die lange Bank schieben - so lässt sich die
Klimapolitik der meisten Industriestaaten beschreiben. Es mag
zutreffen, dass sich auch Politiker einem psychologischen Effekt
nicht entziehen können: Entwicklungen, die über einen langen Zeitraum
ablaufen - und dazu zählt der Klimawandel - blenden die meisten
Menschen aus. Doch aus dem Schneider sind die Staats- und
Regierungschefs nicht. Denn niemand kann sich damit herausreden, es
hätte keine eindringlichen Warnungen der Wissenschaftler gegeben.
Noch hat es die Politik vielleicht in der Hand. Entweder reißt sie
das Ruder entschieden herum, oder wir alle rufen laut: Nach uns die
Sintflut!
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