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08.07.2026 15:55:00
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OeNB: Europa will mit digitalem Euro unabhängiger werden
Schon am morgigen Donnerstag soll das EU-Parlament grünes Licht geben, eine Zustimmung gilt nach der Absegnung durch den Wirtschaftsausschuss Ende Juni nur mehr als Formsache. Bald darauf soll der Trilog zwischen Parlament, Rat und Kommission starten, eine endgültige Billigung des digitalen "Bargeldzwillings" soll noch bis Ende des Jahres erfolgen.
Mehr Unabhängigkeit, weniger Kosten
Laut Meichenitsch zielt das Projekt allen voran auf Unabhängigkeit von US-Zahlungsdienstleistern. "Wir verlassen uns täglich beinahe blind darauf, dass wir digital zahlen können. Dabei wissen viele Menschen gar nicht, dass wir sehr stark an Visa und Mastercard hängen." In Europa würden zwei Drittel aller Transaktionen über die beiden Unternehmen abgewickelt, in Österreich seien es sogar noch mehr, sagte der Notenbanker, der einen Vergleich zu Gas, Öl und Medikamenten zog: In der Pandemie, durch den russischen Überfall auf die Ukraine, sowie unlängst durch den Iran-Krieg habe der Kontinent schmerzlich zu spüren bekommen, was Abhängigkeit von anderen Regionen bedeute. Mit der digitalen Zahlungsinfrastruktur verhalte es sich nicht viel anders.
Bewirken werde der digitale Euro auch, dass die Daten der Zahlenden nicht in die Hände von ausländischen Unternehmen gerieten. Die Europäische Zentralbank (EZB), die bei dem Projekt Feder führt, werde den Datenschutz und den Schutz der Privatsphäre auch gesetzlich garantieren, meinte Meichenitsch. Außerdem würden sich diverse Unternehmen, die aktuell Gebühren für Visa und Co. entrichten müssten, Kosten sparen. Meichenitsch bezifferte diese für europäische Firmen jährlich auf 14 Mrd. Euro. "Das heißt, der digitale Euro ist auch die günstigere Zahlungsvariante."
Falls die Verordnung zur Einführung des digitalen Euro angenommen wird, könnte 2027 ein Pilotprojekt starten. Mit einer offiziellen Einführung wäre dann im Jahr 2029 zu rechnen. Schon jetzt laufen intensive Vorbereitungen, auch bei der heimischen Notenbank, die diverse Banken und Unternehmen einbindet. Vor allem im Handel, bei Touristikern oder im Mobilitätssektor sei man aktiv, zumal hier besonders starker Kundenkontakt bestehe, erklärte Petia Niederländer von der OeNB.
"Holding Limit" noch offen
Unklar ist derzeit noch, wie das "Holding Limit", also der Höchstbetrag in digitalen Euro, der pro Person gehalten werden kann, ausfallen wird. Ein solches sei wichtig, um zu verhindern, dass in Krisenfällen zu viel Geld von den Geschäftsbanken abgezogen und in den digitalen Euro gesteckt wird, was die Finanzstabilität gefährden würde, so Meichenitsch. Kolportiert wurden zuletzt mehrere Tausend Euro.
Bedenken, dass US-Unternehmen am Aufbau der digitalen Infrastruktur des digitalen Euro mitwirken könnten, etwa über EU-Tochterfirmen, die Software bereitstellen, hat Meichenitsch keine. Befürchtet wird von mancher Seite nämlich, dass diese so erst recht über die Hintertür an Daten von europäischen Verbrauchern gelangen könnten. Die entsprechenden Zuschläge an EU-Firmen seien bereits erteilt, wobei die Zentralbank darauf achten würde, genau dies zu verhindern, versicherte der Notenbanker.
Zum europäischen Online-Zahlungssystem Wero, das ebenso auf die Stärkung von Europas Unabhängigkeit im Zahlungsverkehr abzielt, sieht er indes kein Konkurrenzverhältnis. Meichenitsch sprach von "Koexistenz", zumal Wero so wie andere Banken auf die angedachte App für den digitalen Euro zugreifen bzw. diese integrieren werden könne. In manchen Märkten, wo Wero noch nicht aktiv sei, könnte es aus Sicht des OeNB-Direktors dann sogar vom digitalen Euro profitieren.
tpo/bel
WEB http://www.oenb.at/
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