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Bezugsrechte wertlos? 22.06.2026 17:52:00

OHB-Aktie schmiert ab: Kapitalerhöhung verwässert Streubesitz

OHB-Aktie schmiert ab: Kapitalerhöhung verwässert Streubesitz

  • OHB gibt bis zu 1.702.480 neue Aktien zu je 300 Euro aus
  • Familie Fuchs und der KKR-nahe Investor Orchid Lux verzichten auf ihre Bezugsrechte
  • Den freien Aktionären bleibt ein Bezugsverhältnis von 45:4 auf nur 5,70 Prozent der neuen Aktien, nicht ausgeübte Bezugsrechte verfallen wertlos

Der Raumfahrtkonzern OHB SE zapft den Kapitalmarkt an, und für die Aktionäre hängt alles an einer Frage: Wer darf zu welchem Preis mitziehen. Der Vorstand hat am 22. Juni 2026 mit Zustimmung des Aufsichtsrats beschlossen, bis zu 1.702.480 neue Aktien zu je 300 Euro auszugeben. Das sind 8,86 Prozent des bestehenden Grundkapitals und ein Bruttoerlös von bis zu 510,7 Millionen Euro, falls alle Stücke platziert und bezogen werden. Formell erhalten alle Aktionäre Bezugsrechte. In der Praxis fällt die Sache für die freien Aktionäre aber ganz anders aus, als das Wort Bezugsrechtskapitalerhöhung vermuten lässt.

Die Großaktionäre verzichten, der Großteil geht an neue Investoren

Die Hauptaktionäre üben ihre Bezugsrechte nicht aus: die Familie Fuchs über FFS, VOLPAIA und Martello Value sowie die Beteiligungsgesellschaft Orchid Lux, die indirekt von Gesellschaften gehalten wird, die Töchter des Finanzinvestors KKR beraten. Dadurch wandern 94,30 Prozent der neuen Aktien, konkret 1.605.388 Stück als erste Tranche, an qualifizierte internationale Investoren. Sie werden gemeinsam mit 858.500 bestehenden Aktien und bei Mehrzuteilung bis zu 369.500 weiteren Stücken aus dem Bestand von Orchid Lux über ein beschleunigtes Bookbuilding zu 300 Euro je Aktie platziert. Diese Platzierung beginnt am 22. Juni 2026 und soll voraussichtlich am 24. Juni enden.

Was für die freien Aktionäre übrig bleibt

Für die übrigen Aktionäre bleibt nur ein geringer Anteil. Nur 5,70 Prozent der neuen Aktien, also bis zu 97.092 Stück als zweite Tranche, werden ihnen während der Bezugsfrist vom 25. Juni bis zum 8. Juli 2026 zum Bezugspreis von 300 Euro angeboten. Das Bezugsverhältnis liegt bei 45:4, wer 45 alte Aktien hält, darf vier neue beziehen. Die Bezugsrechte werden im regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse zum Handel zugelassen. Wer sie weder ausübt noch verkauft, geht leer aus, denn nicht genutzte Bezugsrechte verfallen nach Fristablauf wertlos, und die zweite Tranche schrumpft entsprechend. Für Anleger im Streubesitz heißt das: aktiv werden oder die Verwässerung durch die neuen Aktien hinnehmen, die 8,86 Prozent des Grundkapitals ausmachen.

Wohin das Geld fließt und wer die Kontrolle behält

Den Nettoerlös will OHB in den Ausbau der Produktion, in strategische Zukäufe und Partnerschaften in Europa, in Trägersysteme sowie in künftige Projekte und allgemeine Unternehmenszwecke stecken. An den Mehrheitsverhältnissen ändert die Transaktion wenig. Die Familie Fuchs verkauft keine Aktien und bleibt mit mehr als 60 Prozent Mehrheitsaktionärin, Orchid Lux behält den Großteil ihrer Beteiligung. Gleichzeitig soll der Streubesitz steigen. Begleitet wird das von gestaffelten Haltefristen: OHB bindet sich für 180 Kalendertage, Martello Value und Orchid Lux jeweils für 90 Tage, FFS, VOLPAIA und der Vorstand für zwölf Monate.

Für heute wird die Billigung des Wertpapierprospekts durch die BaFin erwartet, ohne die das Angebot nicht startet. Danach folgen das Ende des Bookbuildings am 24. Juni, der Handelsstart der ersten Tranche am 26. Juni und das Ende der Bezugsfrist am 8. Juli. Erst dann zeigt sich, wie viele freie Aktionäre ihre Bezugsrechte tatsächlich gezogen haben.

So fällt die Marktreakion aus

An der Börse reagierten Anleger schnell und zeigten sich verunsichert: Die OHB-Aktie gab im XETRA-Handel nach der Ankündigung schließlich 1,48 Prozent auf 399,50 Euro nach - im tagestief fielen die Anteilsscheine bis auf 370,00 Euro.

Alexandra Hesse, Julia Walter, Redaktion finanzen.at

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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Bildquelle: T. Schneider / Shutterstock.com,OHB System AG

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