12.06.2026 16:36:00

Stichwort - 17 Ermittlungsstränge in Causa Signa

In der Causa Signa führt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) Ermittlungen in einem vielschichtigen Verfahrenskomplex mit mittlerweile 17 voneinander getrennten Sachverhaltssträngen. Neu sind die Ermittlungen gegen Ren� Benkos Ehefrau Nathalie und gegen Ren� Benko selbst als Beitragstäter wegen des Verdachts des versuchten schweren Betrugs. Es geht um Aussagen in einem Zivilverfahren vor dem Landesgericht Innsbruck.

Siebzehn Ermittlungsstränge:

1. Insolvenz Benko: Verdacht der betrügerischen Krida

Hier geht es um die Insolvenz Benkos. Der Firmengründer soll Vermögenswerte - darunter Bargeld, Luxusgüter, Fahrzeuge und Wertgegenstände - verschwiegen haben. Auch durch Schenkungen und verdeckte Vermögensverschiebungen soll er den Gläubigerfonds geschmälert haben. Im Raum steht der Verdacht der betrügerischen Krida mit einem Schaden im zweistelligen Millionenbereich. Im Oktober 2025 wurde Benko in Innsbruck wegen betrügerischer Krida bereits nicht rechtskräftig zu zwei Jahren Haft verurteilt. In einem zweiten Verfahren im Dezember fasste Benko ebenfalls wegen betrügerischer Krida 15 Monate bedingte Haft aus - auch dieses Urteil ist nicht rechtskräftig. Benko weist sämtliche Vorwürfe gegen ihn zurück.

2. Schwerer Betrug bei Investorengeldbeschaffung

Laut WKStA besteht der Verdacht, Benko habe einen Investor dazu verleitet, rund 5 Mio. Euro an den Sanierungsbeauftragten der Signa Holding GmbH zu überweisen. Er habe dabei vorgetäuscht, dem Investor einen ihm aus einem anderen Signa-Investment in gleicher Höhe zustehenden Dividendenbetrag, der aber noch nicht ausbezahlt worden war, im Fall von dessen Ausfall selbst zu begleichen. Die 5 Millionen sind kurz vor der Insolvenz geflossen. Dieser Verfahrensstrang ist nun zur Gänze bei Gericht anhängig.

3. Untreue bei der Vermietung des Chalet N

In einem weiteren Ermittlungsverfahren geht es um das Chalet N in Lech am Arlberg. Die Eigentümergesellschaft soll Räumlichkeiten zu Konditionen unter den Selbstkosten an Ren� Benko und mit ihm verbundene Unternehmen vermietet haben. Der vermutete Schaden beträgt über 1,5 Mio. Euro. Gegen Verantwortliche sowie Benko als faktischen Entscheidungsträger wird wegen Untreue ermittelt.

4. Käuferbetrug bei Wohnprojekt "Wohnen am Belvedere"

In Wien soll es beim Wohnbauprojekt "Wohnen am Belvedere Management GmbH" zu überhöhten Preisforderungen gegenüber Käufern gekommen sein. Ein Signa-Mitarbeiter soll überhöhte Pauschalen verrechnet haben. Die mutmaßliche Schadenssumme überschreitet die strafrechtlich relevante Grenze von 300.000 Euro. Ermittelt wird wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs.

5. Unvertretbares Darlehen für Signa-Berater

Gegen Verantwortliche der Signa Holding GmbH wird außerdem wegen Untreue ermittelt. Diese sollen einem Berater der Gruppe ein Darlehen über rund 17 Mio. Euro zu nicht fremdüblichen Konditionen gewährt haben - zur Finanzierung eines privaten Immobilienkaufs. Auch hier soll Ren� Benko die Transaktion veranlasst haben.

6. Gläubigerbegünstigung durch Rückzahlung an Ingbe-Stiftung

Ein weiterer Ermittlungsstrang betrifft die Rückzahlung eines Darlehens über rund 15 Mio. Euro an die Ingbe-Stiftung, obwohl die Signa Prime Selection AG zum damaligen Zeitpunkt laut Verdacht bereits zahlungsunfähig war. Firmengründer Benko soll als wirtschaftlich Verantwortlicher die Rückzahlung veranlasst und dadurch eine Gläubigerbegünstigung zulasten anderer Gläubiger bewirkt haben.

7. Kapitalerhöhung durch "Geldkarussell"

Im Rahmen einer Kapitalerhöhung bei der Signa Holding GmbH soll Benko anderen Gesellschaftern suggeriert haben, auch selbst frisches Kapital einzubringen. Tatsächlich soll ein Teil des Geldes über Umwege aus deren eigenen Einzahlungen gestammt haben - ein sogenanntes "Geldkarussell". Der Vorwurf: Täuschung der Investoren bei der Kapitalbeschaffung.

8. Untreue beim Verkauf der Gardasee-Villa

Die Signa Holding GmbH soll eine Beteiligungsgesellschaft inklusive einer Villa am Gardasee - die "Villa Eden Gardone" - an die liechtensteinische Ingbe-Stiftung verkauft haben, ohne einen entsprechenden Gegenwert zu erhalten. Ermittelt wird wegen des Verdachts auf Untreue.

9. Investmentbetrug bei Projekt in München

Ein weiterer Ermittlungsstrang betrifft ein Immobilienprojekt am Münchner Bahnhofsplatz. Benko und ein weiterer Beschuldigter sollen einen saudi-arabischen Staatsfonds zum Erwerb von Anleihen veranlasst haben. Die Mittel seien nicht wie vereinbart ins Projekt geflossen, sondern teils zweckwidrig verwendet worden.

10. Missbrauch von COVID-Förderung für Chalet N

Im Zusammenhang mit dem Betrieb des Chalet N in Lech wird wegen Betrugs und Fördermissbrauchs bei COFAG-Zahlungen ermittelt. Benko soll mit weiteren Personen COVID-19-Hilfsgelder für Hotelzwecke erhalten haben, deren sachgerechte Verwendung fraglich ist.

11. Täuschung bei Bankkredit-Verlängerung

Bei der Verlängerung eines Bankkredits sollen Verantwortliche der Signa-Gruppe, darunter Benko, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Konzerns falsch dargestellt haben. Die Ermittlungen laufen wegen schweren Betrugs.

12. Kapitalbeschaffung für Projekt ohne Mittelverwendung

Bei einer Kapitalbeschaffungsmaßnahme einer Signa-Projektgesellschaft soll ebenfalls nicht wie versprochen in konkrete Vorhaben investiert worden sein. Der Vorwurf gegen Geschäftsführer einer Signa-Projektgesellschaft lautet auf schweren Betrug.

13. Untreue bei Verkauf einer Innenstadtimmobilie

Schließlich wird auch wegen Untreue bei einer Transaktion rund um eine Innenstadtimmobilie ermittelt. Teile des Kaufpreises sollen nicht der Signa-Gesellschaft, sondern Dritten zugeflossen sein. Ein Teilbetrag wurde bereits sichergestellt.

14. Untreue mit Mitarbeiteraktien

Die WKStA wirft zwei Signa-Managern vor, bei der Verwaltung von Mitarbeiteraktien ihre Pflicht verletzt zu haben, indem sie einen Mitarbeiter nicht rechtzeitig über finanzielle Probleme der inzwischen insolventen Signa Prime Selection AG und den Wertverlust der Aktien informiert haben. Dem Mitarbeiter soll dadurch ein noch festzustellender Schaden entstanden sein. Gegen die zwei Manager wird wegen Untreue ermittelt.

15. Ex-Kanzler Gusenbauer: Verdacht der Untreue

Im Signa-Komplex gibt es nun auch Ermittlungen gegen Ex-SPÖ-Bundeskanzler Gusenbauer - und einen Signa-Vorstand. Dabei geht es um den Verdacht der Untreue. Die WKStA wirft Gusenbauer, langjähriger Berater und Funktionsträger in der Signa-Gruppe, vor, als Aufsichtsratsvorsitzender in der Signa Development und der Signa Prime im Oktober und November 2022 die beiden Gesellschaften um in Summe 10 Mio. Euro geschädigt zu haben. Dazu gab es auch Hausdurchsuchungen "an mehreren Adressen in Wien und Niederösterreich". Gusenbauer weist die gegen ihn gerichteten Vorwürfe zurück.

16. "Intercompany-Darlehen"

Wegen "Intercompany-Darlehen" wird wegen Untreue und betrügerischer Krida ermittelt. Die WKStA hat den Verdacht, dass Benko, mehrere Verantwortliche diverser österreichischer und deutscher Signa-Gesellschaften sowie "weitere unbekannte Täter" unbesicherte Darlehen an andere Signa-Gesellschaften gewährt haben. Dabei soll es um zwei- bis dreistellige Millionenbeträge gegangen sein. Dadurch sollen die Gesellschafter und Gläubiger geschädigt worden sein.

17. Prozessbetrug in einem Zivilverfahren

Strafrechtliche Ermittlungen laufen neuerdings auch aufgrund des Verdachts des versuchten schweren Betrugs gegen Benkos Ehefrau Nathalie und Benko selbst als Beitragstäter. Frau Benko soll unlängst in einem Zivilverfahren vor dem Landesgericht Innsbruck versucht haben, die zuständige Richterin zu täuschen. Ziel soll es gewesen sein, eine Klage auf Rückzahlung abzuwehren und so die Insolvenzmasse von Ren� Benko um zwei Millionen Euro zu schädigen. Das Geld hatte Benko seiner Frau im Jänner 2023 überwiesen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr konkret vor, fälschlich behauptet zu haben, es handle sich dabei um eine Unterhaltszahlung und nicht um eine Schenkung. Ren� Benko soll dazu vor Gericht wahrheitswidrige Angaben gemacht haben. In dem Verfahren wurde Nathalie Benko nicht rechtskräftig zur Rückzahlung der zwei Mio. Euro in die Insolvenzmasse verurteilt, Frau Benko beruft gegen das Urteil in voller Höhe. Es gilt die Unschuldsvermutung.

(Redaktionelle Hinweise: Es handelt sich um eine aktualisierte Version einer am 17. April 2026 verschickten Meldung.) tpo/sag

WEB http://www.signa.at

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