Devisenhändler begründeten die Verluste des Yen insbesondere mit der Erklärung der zwanzig größten Industrie- und Schwellenländer vom Wochenende (G20). Diese hatten sich gegen kompetitive, also gezielte Wechselkursabwertung zur Erlangung von Wettbewerbsvorteilen ausgesprochen. Zugleich wurde vermieden, Japan wegen seiner lockeren Geldpolitik direkt zu kritisieren. Japans Regierung unter Premier Shinzo Abe werde damit zugebilligt, den expansiven geld- und haushaltspolitischen Kurs fortzusetzen, kommentierten Beobachter.
ABE MACHT WEITER DRUCK
Japans Regierungschef Shinzo Abe vermied es zu Wochenbeginn in einer Ansprache vor dem Parlament, ein Kursziel für den Yen zu nennen. Er bekräftigte jedoch die Möglichkeit, neben heimischen Staatsanleihen auch Schuldtitel anderer Länder zu kaufen. Darüber hinaus unterstrich er, dass eine Änderung des Notenbankgesetzes nicht vom Tisch sei, sollte die Bank of Japan ihre Ziele nicht erreichen. Formal ist die japanische Notenbank unabhängig. Die Regierung übt aber massiv Druck aus, insbesondere über die Besetzung des geldpolitischen Ausschusses. Im März wird der derzeitige Notenbankchef Masaaki Shirakawa vorzeitig ausscheiden und durch einen vermutlich regierungsnahen Nachfolger ersetzt.
Spätestens seit dem Regierungswechsel in Japan im Dezember steht der Yen massiv unter Druck. Andere Währungen haben im Gegenzug deutlich aufgewertet. In Europa hat dies Sorgen hervorgerufen, dass die konjunkturelle Erholung über verteuerte Exporte gefährdet werden könnte. Auch die Schwellenländer, die wegen ihrer Rohstoffexporte wenig Interesse an einer starken eigenen Währung haben, stehen dem Kurs Japans skeptisch gegenüber. Aus den USA, die eine ähnlich expansive Linie wie Japan verfolgen, kamen zuletzt gemäßigte Töne.
DEBATTE UM WÄHRUNGSKRIEG
Wegen der starken Abwertung des Yen hat zuletzt eine Diskussion über einen "Währungskrieg" eingesetzt, also der Gefahr eines weltweiten Abwertungswettlaufs. Seit November hat die japanische Währung zum Euro um etwa 25 Prozent abgewertet, zum amerikanischen Dollar belaufen sich die Verluste auf gut 17 Prozent.
Allerdings hatte der Yen in den Jahren zuvor drastisch an Wert gewonnen: Mitte 2007 hatte ein Dollar gut ein Viertel mehr gekostet als jetzt, der Euro notierte zum Yen etwa 35 Prozent höher. In der Finanzkrise und der europäischen Schuldenmisere galt die japanische Währung als "sicherer Hafen", der von Anlegern massiv angelaufen wurde. Entsprechend deutlich wertete der Yen auf./bgf/hbr