| BTC-Nachfrage |
07.06.2026 08:33:00
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CryptoQuant: Warum hohe Bitcoin-Bestände eine Käuferflaute verschleiern könnten
• Rund 15,8 Millionen Bitcoin galten als langfristig gehalten
• Ein hoher Langfristbestand wird üblicherweise als bullishes Signal gelesen
Was hinter dem Rekord steckt
Ein hoher Bestand an langfristig gehaltenen Bitcoin wird an den Märkten üblicherweise als Zeichen von Überzeugung gelesen. Die Annahme dahinter: Anleger sammeln die Kryptowährung ein und entziehen sie dem aktiven Handel, wodurch das verfügbare Angebot sinkt. In gesunden Aufwärtsphasen treffen sinkendes Angebot und wachsende Nachfrage zusammen, was die Kurse historisch gestützt hat.
Der Analysedienst CryptoQuant kommt in einer von CoinDesk am 29. Mai 2026 aufgegriffenen Auswertung zu einer anderen Deutung. Laut der Analyse waren zu diesem Zeitpunkt rund 15,8 Millionen Bitcoin als langfristig gehalten klassifiziert - ein Höchstwert. CryptoQuant argumentiert jedoch, dass diese Zahl weniger über die Überzeugung der Anleger aussagt als über den Umschlag am Markt. Weil neue Käufer ausbleiben, verbleiben Coins länger in den Händen bestehender Halter und wachsen so allmählich in die Kategorie der langfristigen Bestände hinein.
Käufer ziehen sich zurück
Den Kern der These bildet die Beobachtung, dass der Bestand kurzfristiger Halter laut CryptoQuant seit Dezember um rund 2,2 Millionen Bitcoin gesunken ist. Etwa 900.000 Bitcoin davon entfielen allein darauf, dass Bestände auf der Handelsplattform Coinbase die Schwelle von 155 Tagen überschritten, ab der ein Coin als langfristig gehalten gilt. Diese Umklassifizierung ist technisch ein reiner Buchungsvorgang, illustriert aber das zentrale Argument: Ein wachsender Teil der Bitcoin bewegt sich schlicht nicht mehr.
Auch bei den großen Adressen verliert die Nachfrage an Schwung. Die Bestände sogenannter Wale, also Adressen mit 1.000 bis 10.000 Bitcoin, schrumpfen laut CryptoQuant im Jahresvergleich so schnell wie zu keinem anderen Zeitpunkt des Jahres 2026. Das jährliche Wachstum der Bestände kleinerer Großadressen mit 100 bis 1.000 Bitcoin, von CryptoQuant als Dolphins bezeichnet, verlangsamte sich deutlich, nachdem es im Oktober 2025 mit 970.000 Bitcoin seinen Höhepunkt erreicht hatte. Da diese Gruppe stark von börsengehandelten Fonds und Unternehmensbeständen geprägt ist, gilt sie als einer der klarsten Indikatoren für institutionelle Nachfrage.
Weitere Signale deuten in dieselbe Richtung
Auch unabhängig von der On-Chain-Betrachtung der Halterstruktur verdichten sich die Hinweise auf eine nachlassende Nachfrage. Der Analysedienst Glassnode beschreibt in seinem Wochenbericht vom 27. Mai 2026 eine schwächelnde Nachfrage am Spotmarkt. Die von Glassnode beobachtete Kennzahl Realized Profit/Loss Ratio lag bei 1,56 und damit unterhalb des Bereichs von 2 bis 5, der historisch mit den frühen Phasen anhaltender Aufwärtsmärkte verbunden ist. Glassnode wertet das als Zeichen dafür, dass die Erholung eher von vorsichtiger Umschichtung als von kräftigem Nachfragezufluss getragen wird.
Das gemeinsame Muster aus On-Chain-Daten und der Entwicklung der institutionellen Nachfrage ist damit weniger ein aktiver Verkaufsdruck als ein Mangel an Beteiligung. Die Eigentümerstruktur unter der Oberfläche spiegelt zunehmend Anleger wider, die auf bestehenden Positionen sitzen, während neue Käufer fehlen. Für die weitere Entwicklung wird entscheidend sein, ob frische Nachfrage über Spotkäufe und institutionelle Investoren zurückkehrt oder ob sich die Beteiligung weiter ausdünnt.
Dominik Maier, Redaktion finanzen.at
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