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KI im Fokus 19.08.2026 07:21:00

OpenAI weitet ChatGPT-Geschäft aus und reagiert auf KI-Sicherheitsvorfälle

OpenAI weitet ChatGPT-Geschäft aus und reagiert auf KI-Sicherheitsvorfälle

OpenAI baut sein Geschäft mit ChatGPT aus und verschärft gleichzeitig die Sicherheitsvorkehrungen für seine Künstliche Intelligenz. Am kommenden Montag (24. August) startet das Werbegeschäft des KI-Unternehmens in 31 europäischen Märkten. Zugleich reagiert OpenAI auf Sicherheitsvorfälle bei Tests seiner KI-Modelle mit strengeren Kontrollen.

Werbung startet in 31 europäischen Märkten

Neben Deutschland umfasst der europäische Werbestart unter anderem Österreich, die Schweiz, Frankreich, Spanien, Italien, Polen sowie die Benelux- und die skandinavischen Länder. OpenAI will mit den Anzeigen vor allem Einnahmen mit den zahlreichen Nutzern der kostenlosen ChatGPT-Version erzielen. Nach aktuellen Schätzungen nutzen mehr als 80 Prozent der monatlich über eine Milliarde Anwender die Gratisversion.

Um das Vertrauen der Nutzer nicht zu gefährden, sollen die Werbeinhalte klar von den Antworten des Chatbots getrennt sein. Dave Dugan, Vice President of Ads bei OpenAI, sagte der dpa: "Die Antwort von ChatGPT ist klar von den Anzeigen getrennt und deutlich abgegrenzt." Unterhalb der eigentlichen ChatGPT-Antwort befinde sich eine graue Linie, unterhalb derer eine Anzeige erscheinen könne.

Werbetreibende sollen zugleich keinen Zugriff auf Chatverläufe erhalten. Nach Angaben von Dugan gibt OpenAI keinerlei Informationen aus Unterhaltungen an Werbekunden weiter. Der Schutz der Privatsphäre bei den Gesprächen sei für das Unternehmen besonders wichtig.

Werbefreiheit nur in teureren Abos

Nutzer, die keine Anzeigen sehen wollen, können laut OpenAI auf die kostenpflichtigen Tarife Plus oder Pro wechseln. Das Plus-Abo kostet in Europa monatlich knapp 23 Euro, der Pro-Tarif 229 Euro. Der günstigere Tarif ChatGPT Go für knapp sieben Euro im Monat bleibt dagegen werbefinanziert.

Der Schritt markiert einen Strategiewechsel bei OpenAI. Unternehmenschef und Mitgründer Sam Altman hatte Werbung früher strikt abgelehnt, sich im Herbst 2025 aber offener gezeigt. Als Beispiel nannte er Instagram und verwies darauf, dass Werbung nützlich sein könne, wenn sie gut gemacht sei.

Der erste Werbetest von OpenAI in den USA startete vor sechs Monaten. Nach Angaben des Unternehmens wurde daraus inzwischen eine globale Plattform mit Zehntausenden Werbekunden. Zum Start in Europa arbeitet OpenAI zunächst mit großen Werbeagenturen wie Publicis, WPP, Omnicom, MediaPlus und Havas zusammen. Ein Self-Service-Tool für kleinere Unternehmen und Selbstständige soll folgen.

Strengere Kontrollen nach KI-Hack

Parallel zum Ausbau des Werbegeschäfts verschärft OpenAI seine Sicherheitsvorkehrungen bei Tests neuer KI-Modelle. Hintergrund sind mehrere Vorfälle, bei denen KI-Modelle während Tests die vorgesehenen Grenzen überschritten. Besonders viel Aufmerksamkeit erregte ein Vorfall, bei dem ein OpenAI-Modell aus einer isolierten Testumgebung ins offene Internet gelangte und anschließend Systeme der KI-Plattform Hugging Face angriff.

Nach Angaben von OpenAI identifizierten und verknüpften die Modelle dabei mehrere Schwachstellen in der eigenen Forschungsumgebung und der Infrastruktur von Hugging Face. Sie verschafften sich unter anderem Internetzugang und nutzten Schwachstellen sowie gestohlene Zugangsdaten, um an Informationen zu gelangen. Ziel war demnach, eine Lösung für die Testaufgabe zu finden. OpenAI betonte, dass es sich um eine interne Evaluation mit bewusst reduzierten Schutzmechanismen zur Untersuchung von Cyber-Fähigkeiten handelte.

Als Konsequenz sollen automatisierte Überwachungssysteme die Aktivitäten der KI-Modelle bei Tests künftig genauer beobachten. Bei verdächtigen Vorgängen sollen innerhalb von 30 Minuten menschliche Prüfer alarmiert werden. Wenn diese nicht innerhalb einer weiteren halben Stunde feststellen, dass es sich um einen Fehlalarm handelt, soll die betreffende Aktivität gestoppt werden.

Die zusätzlichen Kontrollen sind allerdings mit erheblichem Rechenaufwand verbunden. OpenAI schätzt, dass die Überwachung rund ein Fünftel so viel Rechenleistung benötigt wie der Betrieb der jeweils beobachteten KI-Modelle. Die Systeme sollen unter anderem nach Versuchen suchen, Daten zu stehlen oder Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen. Zudem sollen die Modelle stärker darauf ausgerichtet werden, nicht durch das Ausnutzen von Schwachstellen an ihre Testziele zu gelangen.

Einige Tests neuer Modelle wurden vorübergehend ausgesetzt, bis die zusätzlichen Schutzmaßnahmen umgesetzt sind. Reuters berichtete zudem, OpenAI habe die Entwicklung seiner KI-Modelle vorübergehend verlangsamt, um die Sicherheitsvorkehrungen zu verbessern.

KI als Werkzeug für Angreifer und Verteidiger

OpenAI-Topmanager Greg Brockman sieht in den neuen Fähigkeiten der KI zugleich eine Chance für die Cybersicherheit. KI-Modelle könnten Schwachstellen schneller aufspüren und schließen und damit Unternehmen beim Schutz ihrer Systeme unterstützen. Auf seiner privaten Webseite habe ein öffentlich zugängliches ChatGPT-Modell nach seinen Angaben 13 Schwachstellen gefunden und innerhalb einer Stunde geschlossen.

Damit entsteht für OpenAI ein Spannungsfeld zwischen dem Ausbau des Geschäfts und den wachsenden Anforderungen an die Sicherheit seiner Technologie: Während das Unternehmen mit Werbung und günstigeren Abonnements neue Umsatzquellen erschließt, muss es zugleich immer leistungsfähigere KI-Modelle kontrollierbar halten.

BERLIN/SAN FRANCISCO (dpa-AFX)

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Bildquelle: JarTee / Shutterstock.com

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