Bitcoin - US-Dollar
| Ist Bitcoin tot? |
26.06.2026 13:08:00
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Bitcoin ohne Alleinstellungsmerkmal? Bloomberg-Analyst Mike McGlone spricht Warnung aus
• Die strukturelle Stärke und Einzigartigkeit im Blick
• Viele Argumente greifen nicht
Bitcoin als Vogel unter Vielen
McGlone, Senior Commodity Strategist bei Bloomberg Intelligence, sah Bitcoin im Januar auf dem Weg zu 10.000 US-Dollar. Ein Argument, welches er hierfür in einem Interview mit Cointelegraph, vom 23.01.2026, in den Raum stellte, war, dass der Krypto-Markt eine Übertreibungsphase erreichte. Von einigen Tausend Coins im Jahr 2020 auf knapp "30 Millionen". Für ihn sei Bitcoin damit kein Sonderfall mehr, sondern "eine Taube unter vielen".
McGlone argumentiert über eine Analogie: Weil der Krypto-Markt von wenigen tausend Coins (2020) auf Millionen explodiert ist, habe Bitcoin seinen Sonderstatus verloren. Die schiere Masse an Konkurrenz-Coins entwertet Bitcoins Alleinstellungsmerkmal, ähnlich wie ein seltener Vogel, der in einem überfüllten Taubenschlag zum gewöhnlichen Tier wird. Aber entspricht diese Ansicht der Realität?
McGlones Argument, mehr Coins entwerten Bitcoin, hat einen intuitiven Charme, wird durch drei Argumente infrage gestellt.
Der weltgrößte Vermögensverwalter, BlackRock, argumentiert in seinem offiziellen Whitepaper explizit das Gegenteil: "Bitcoin besitzt durch seine Natur als globales, dezentrales, im Angebot begrenztes und nicht-staatliches Vermögensgut Risiko- und Renditetreiber, die sich grundlegend von traditionellen Anlageklassen unterscheiden und auf langfristiger Basis fundamental unkorreliert sind". Für BlackRock ist Bitcoin kein generischer Coin unter Millionen, sondern eine strukturell eigene Assetklasse.
Wenn "30 Millionen Coins" Bitcoin wirklich verwässerten, müsste sein Marktanteil gegen null tendieren. Stattdessen hält Bitcoin laut CoinMarketCap eine Dominanz von 58,4 Prozent (Stand 22.06.2026), über die Hälfte der gesamten Krypto-Marktkapitalisierung konzentriert sich somit in einem einzigen Asset.
Der institutionelle Markt sortiert noch klarer: Bitcoin-ETFs kumulieren, nach Daten von coinglass (Stand 18.06.2026), 93,23 Milliarden US-Dollar. Ethereum folgt mit 21,41 Milliarden US-Dollar und Solana mit 1,84 Milliarden US-Dollar. Das Kapital der professionellen Investoren trifft also eine sehr eindeutige Unterscheidung.
McGlone vergleicht in dem Interview Kryptowährungen mit Edelmetallen. Dieser Vergleich macht die Schwäche seines Arguments deutlich sichtbar. Er sagt: Gold ist einzigartig, weil es nur vier (wichtige) Edelmetalle gibt. Aber Gold ist nicht einzigartig wegen der Abwesenheit von Konkurrenten, sondern wegen seiner physischen Eigenschaften. Genau dasselbe gilt für Bitcoin: Bitcoins Eigenschaften, fixe Obergrenze von 21 Millionen Einheiten, globale digitale Zugänglichkeit und dezentrale, erlaubnisfreie Struktur, machen es zu einem einzigartigen monetären System.
Die Existenz von 30 Millionen anderen Coins berührt diese Eigenschaften strukturell nicht, so wenig wie die Existenz von Plastiksteinen den Goldwert verwässert.
McGlones Argument ist somit rhetorisch wirksam, aber analytisch schwach. Es verwechselt quantitative Konkurrenz mit qualitativer Substituierbarkeit. Die Marktdaten (58 Prozent Dominanz, 93,4 Milliarden US-Dollar AUM) und die institutionelle Forschung (BlackRock) sprechen klar dagegen.
Weitere Argumente McGlones
McGlone stützt seine Prognose außerdem auf vier weitere technische und strukturelle Argumente. Die fallenden 200-Wochen-Durchschnitte von Bitcoin und dem Bloomberg Galaxy Crypto Index sieht er als klares bearishes Signal. Die historisch hohe Korrelation zum Aktienmarkt bedeute für ihn, dass ein Rückgang an den Börsen Bitcoin überproportional treffe, rund dreifach, volatilitätsgewichtet. Den ETF-Launch wertet er nicht als Aufbruchssignal, sondern als klassisches Warnsignal: Sobald ein Asset Mainstream werde, sei der Trade vorbei. Und das Narrativ von Bitcoin als Schutz vor dem Finanzsystem sei hinfällig, seit Trump und große institutionelle Investoren selbst Teil des Krypto-Ökosystems sind. Ein Blick auf aktuelle Daten und historische Vergleiche zeigt: Nicht alle halten stand.
Der 200-Wochen-Durchschnitt von Bitcoin lag seit Januar 2026 regelmäßig über dem Kursniveau, hier lag McGlone richtig. Als alleiniges Signal für eine Bewegung von rund 64.000 US-Dollar (Stand 22.06.2026) auf 10.000 US-Dollar trägt der Indikator jedoch nicht. Ein Rückgang dieser Größenordnung würde fundamentale Verwerfungen voraussetzen, die ein gleitender Durchschnitt weder erklären noch vorhersagen kann.
Bei der Korrelationsthese ist das Bild komplizierter. Die Korrelation zwischen Bitcoin und US-Equities unterliegt starken Schwankungen, wie Daten von Coinglass zeigen. Jedoch lässt sich klar feststellen, dass der S&P 500 im letzten halben Jahr stark stieg, während Bitcoin fiel. Ein Bild zeichnet sich ab, das McGlones These untergräbt: Der Aktienmarkt steigt, Bitcoin fällt trotzdem.
Am dünnsten ist das Argument, der ETF-Launch sei das klassische Signal dafür, dass ein Trade vorbei sei. Ausgerechnet McGlones viel gepriesenes Asset Gold widerlegt das. Laut CoinDesk stieg der Goldpreis seit dem Launch des ersten Gold-ETFs im Jahr 2003 von rund 332 US-Dollar auf 1.800 US-Dollar, ein Anstieg von über 400 Prozent. Heute existieren laut CoinDesk 35 Gold-ETFs an US-Börsen mit einem kumulierten Verwaltungsvermögen von 105 Milliarden US-Dollar. Der ETF-Launch war also nicht das Ende des Trades, sondern dessen Beginn. McGlone kann nicht argumentieren, ein ETF-Launch beende einen Trade, während er zeitgleich denselben Trade bei Gold lobt oder zumindest hinnimmt, einem Asset, das seit über zwei Jahrzehnten ETFs hat und seitdem stark Zuwachs verzeichnete.
Auch das vierte Argument trägt nicht weit. McGlone behauptet, das Narrativ von Bitcoin als Schutz vor dem System sei hinfällig, seit Trump und große Institutionen Teil des Ökosystems seien. Aber wer in Bitcoin investiert, ändert nicht das Protokoll. BlackRock hält in seinem offiziellen Research fest, dass Bitcoin als dezentrales, nicht-souveränes Asset strukturell unabhängig von einzelnen Staaten oder Institutionen bleibt, gerade das mache es für Investoren interessant. Das Netzwerk gehört niemandem, auch nicht Trump oder BlackRock.
Markus Maier, Redaktion finanzen.at
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