Goldrausch 05.06.2026 03:31:22

Goldpreis im Aufwind: Analyst sieht Potenzial für neue Höchststände

Goldpreis im Aufwind: Analyst sieht Potenzial für neue Höchststände

• Gold zeigte Anfang 2026 starke Schwankungen mit einem Rekordanstieg im Januar und deutlichem Rücksetzer im März
• Neue Käufergruppen aus Asien und dem Krypto-Sektor stützen die Nachfrage
• Geopolitische Risiken und Unsicherheiten treiben den Goldpreis weiter nach oben

Laut eines Gold-Ausblicks von Nitesh Shah, Leiter für Rohstoff- und Makro-Research für Europa bei WisdomTree, erlebte der Goldmarkt im ersten Quartal 2026 außergewöhnliche Turbulenzen: Zwar erlitt Gold im März den größten Monatsverlust seit Juni 2013, nachdem es im Januar noch den stärksten Anstieg seit September 1999 verzeichnet hatte. Der Experte hält jedoch an seiner Einschätzung fest, dass sich das Edelmetall auf ein neues, höheres Gleichgewichtsniveau zubewegt.

Seit Jahresbeginn konnte der Goldpreis noch überschaubar zulegen und ist von 4.315,09 US-Dollar (Stand: 01. Januar 2026) auf 4.488,13 US-Dollar (Stand: 02.06.2026) gestiegen. Das entspricht einem Anstieg von rund vier Prozent.

Getragen werde diese Entwicklung laut der Prognose von einer breiteren Anlegerbasis: Zu den neuen Nachfragetreibern zählen chinesische Versicherungen, indische Pensionsfonds und Emittenten digitaler Vermögenswerte wie Tether. Auch die Zuflüsse in Gold-ETFs in China und Indien haben deutlich zugenommen, heißt es weiter.

Historische Volatilität stellt Modelle in Frage

Der Jahresauftakt verlief dabei außergewöhnlich volatil: Ende Januar stieg der Goldpreis zeitweise auf knapp 5.600 US-Dollar je Unze, ehe er bis Ende März zwischenzeitlich auf rund 4.100 US-Dollar zurückfiel. Kurz darauf setzte jedoch eine deutliche Erholung ein.
Diese Entwicklungen zeigen nach Ansicht von WisdomTree die Grenzen klassischer Prognosemodelle auf: Das auf die Jahre 1995 bis 2023 - eine im Vergleich ruhige Phase am Goldmarkt - kalibrierte Modell dürfte vergleichbare Marktveränderungen bislang kaum erlebt haben.

Geopolitik bleibt ein wichtiger Treiber

Ein wesentlicher Treiber der Goldpreisschwankungen im ersten Quartal 2026 war eine Serie geopolitischer Ereignisse: Dazu zählten laut dem Experten der Machtwechsel in Venezuela, Diskussionen über eine mögliche US-Übernahme Grönlands sowie politischer Druck auf die Unabhängigkeit der Federal Reserve. Diese Ereignisse stützten den Goldpreis grundsätzlich, führten jedoch zu überdurchschnittlich starken Reaktionen.

Ende März 2026 markiert laut WisdomTree einen Wendepunkt, ab dem der Goldpreis wieder stieg: Die Erholung erfolgte trotz stärkerem US-Dollar, steigenden Renditen und einer Verschiebung der Zinserwartungen - weg von möglichen Zinssenkungen der Fed hin zu Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England (BoE). Zusätzliche Nachfrage kommt von neuen Käufern: So schätzt WisdomTree, dass Tether im Jahr 2025 zwischen 60 und 70 Tonnen Gold erworben hat. Auch Zentralbanken betrachten Gold demnach weiterhin als wichtige Liquiditätsreserve.

Goldpreis könnte neue Höchststände erreichen

Wie WisdomTree unter Berufung auf Daten aus dem Bloomberg Survey of Professional Economists von März 2026 erklärt, wird für die kommenden zwölf Monate im Konsensszenario ein Goldpreis von rund 5.500 US-Dollar je Unze erwartet. Treiber wären vor allem eine erhöhte Inflation, eine verbesserte Anlegerstimmung und anhaltende geopolitische Risiken.

Im optimistischen Szenario steigt die Inflation laut WisdomTree jedoch auf 4 Prozent, angetrieben von höheren Energiepreisen und anhaltenden Problemen in den Lieferketten. Die US-Notenbank reagiert nur zurückhaltend, während die Anleiherenditen weiter steigen. Gleichzeitig verliert der US-Dollar an Wert, der DXY fällt auf 90, heißt es weiter. Für Gold wäre das ein günstiges Umfeld: Anleger suchen verstärkt Schutz vor Inflation und einer schwächeren Währung, wodurch die Nachfrage nach dem Edelmetall steigen dürfte. In diesem Szenario würde die Goldpreis-Prognose demnach bei 5.872 US-Dollar liegen.

Im bärischen Szenario, in dem die US-Notenbank die Inflation erfolgreich auf zwei Prozent senkt, wäre hingegen ein Rückgang auf 4.600 bis 4.650 US-Dollar je Unze denkbar, heißt es weiter. Nach Einschätzung von WisdomTree befindet sich Gold auf dem Weg zu einem neuen, höheren Gleichgewichtsniveau. Ausschlaggebend dafür könnte die wachsende Anlegerbasis sein.

Svenja Polonyi, Redaktion finanzen.at

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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