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KGV-Parallele zu Apple 2015 02.09.2026 21:01:00

NVIDIA-Aktie: Analysten sehen Parallelen zu Apples Aufstieg nach 2012

NVIDIA-Aktie: Analysten sehen Parallelen zu Apples Aufstieg nach 2012

  • NVIDIA übertrifft im zweiten Quartal 2027 erneut deutlich die Erwartungen
  • Früh vorgelegter Ausblick fürs Geschäftsjahr 2028 überrascht Analysten
  • KGV weckt bei Analysten Erinnerungen an Apples Bewertungssprung nach 2010

NVIDIA hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erneut deutlich mehr Umsatz erzielt als erwartet und am selben Tag überraschend schon einen Ausblick auf das kommende Geschäftsjahr 2028 gegeben. Genau dieser frühe Ausblick hat bei mehreren Analysten eine Parallele zwischen der NVIDIA-Aktie und dem Bewertungssprung von Apple in den Jahren nach 2010 ausgelöst. Ein im Vergleich zum Gesamtmarkt niedriges KGV und steigende Kapitalrückführungen könnten nach ihrer Einschätzung eine ähnliche Neubewertung einleiten.

Enttäuschung bei der Marge, schnelle Erholung

Der Umsatz kletterte im Berichtsquartal auf 96,2 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und damit deutlich über dem Analystenkonsens von rund 92 Milliarden US-Dollar. Das Segment Data Center wuchs um 117 Prozent auf 89,0 Milliarden US-Dollar, die Non-GAAP-Bruttomarge hielt bei 75,0 Prozent bereits das dritte Quartal in Folge. Für das laufende Quartal stellte der Konzern einen Umsatz von 108,0 Milliarden US-Dollar in Aussicht, die Bruttomarge soll dabei um einen Prozentpunkt auf 74 Prozent nachgeben.

Konzernchef Jensen Huang und Finanzchefin Colette Kress begründeten das im Earnings Call mit einem branchenweiten Engpass bei Speicherchips, der die Einkaufspreise stark steigen lässt. Im vierten Quartal könnte die Marge demnach auf bis zu 71 Prozent sinken, ehe eine geplante Preiserhöhung sie im kommenden Geschäftsjahr wieder auf 72 bis 73 Prozent hievt, historisch weiterhin ein hohes Niveau. Die Aktie reagierte auf die schwächere Margenprognose zunächst mit Verlusten, drehte aber binnen Minuten ins Plus, nachdem Kress im selben Call den Ausblick fürs Geschäftsjahr 2028 vorgelegt hatte.

Aggressiver Ausblick fürs Geschäftsjahr 2028

Kress kündigte im Call an, der Umsatz solle im Geschäftsjahr 2028, das am 1. Februar 2027 beginnt, um rund 70 Prozent wachsen, und nannte den Ausblick angebotsbeschränkt. Die Wall Street war zuvor von einer deutlichen Abkühlung auf rund 45 Prozent ausgegangen, ungewöhnlich früh für eine Prognose über das kommende Geschäftsjahr hinaus. Huang ergänzte, die Wachstumsrate könne sogar noch steigen, sobald sich die Lieferengpässe lösten, ein Nachfrageproblem sehe er nicht.

Der überraschende Ausblick löste an der Wall Street eine rasche Welle neuer Schätzungen aus: Von den 60 von FactSet erfassten Analysten veröffentlichten laut Barron's 39 innerhalb eines Tages nach Bekanntgabe der Ergebnisse neue Analysen. Die durchschnittliche Gewinnschätzung je Aktie fürs Geschäftsjahr 2028 stieg dabei von 12,81 auf 14,86 US-Dollar, ein Plus von 16 Prozent, während das daraus abgeleitete KGV nach Berechnungen von Barron's Ende August 2026 von 16 auf 15 sank. Die Analysten lagen bei NVIDIA zuletzt ohnehin regelmäßig daneben: Seit Beginn des Geschäftsjahres 2027 stiegen die durchschnittlichen Umsatzschätzungen um 23 Prozent, die bereinigten Gewinnschätzungen um 19 Prozent.

NVIDIA-Aktie im Bewertungsvergleich mit Apple

Mit einem KGV von 15 für das Geschäftsjahr 2028 liegt die NVIDIA-Aktie damit weiterhin deutlich unter dem Niveau des S&P 500. Das erinnert laut Barron's an Apple in den Jahren nach 2010, als der Konzern fast acht Jahre lang mit einem KGV unterhalb des Marktdurchschnitts gehandelt wurde, ehe sich die Kennzahl von 9 auf 33 ausweitete und mehrere Billionen US-Dollar an Börsenwert hinzukamen.

Ähnlich argumentiert der Analyst Mark Lipacis von Evercore ISI laut Yahoo Finance: Er rechnet für NVIDIA mit einer Kapitalrückführung von rund 115 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 und rund 230 Milliarden US-Dollar im Jahr 2027, was seiner Einschätzung nach eine ähnliche Ausweitung des KGV auslösen könnte wie bei Apple ab 2015. BofA-Analyst Vivek Arya sieht laut einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Studie die Chance, dass NVIDIA die Ausschüttungsquote von aktuell rund der Hälfte des freien Cashflows auf 75 Prozent oder mehr anhebt und damit dem Kapitalrückführungskurs von Apple nach 2012 zu folgen.

Wie Apple sein Bewertungstief überwand

Apple musste dafür zunächst mehrere kritische Phasen überstehen. Nach dem Tod von Steve Jobs im Jahr 2011 zweifelten viele, ob der Konzern ohne seinen Gründer weiter Innovationen voranbringen könne. Andere sahen im iPhone nur eine befristete Führungsposition, schließlich hatten günstigere Wettbewerber wie Intel und Microsoft schon den Apple II und den ersten Mac verdrängt, und Unterhaltungselektronik gilt grundsätzlich als zyklisches Geschäft mit niedrigeren Bewertungen.

Tim Cook baute daraufhin mit den Sparten Dienste und Wearables praktisch aus dem Nichts zwei neue Standbeine auf und machte den Konzern zusätzlich zu einem Chiphersteller. Gegen den zyklischen Charakter der Hardware setzte Apple auf Mobilfunkverträge mit Subventionen, günstige Finanzierungen und großzügige Eintauschprogramme sowie das stetig wachsende Dienstegeschäft. Im ersten Halbjahr 2026 hielt Apple laut einer von Barron's zitierten Auswertung von Counterpoint Research einen Anteil von 65 Prozent am Premiumsegment für Smartphones, im zweiten Quartal 2026 waren die drei meistverkauften Modelle allesamt Varianten des iPhone 17. Über die Jahre verwandelte der Konzern zudem hunderte Milliarden US-Dollar an freiem Cashflow in Dividenden und Aktienrückkäufe, die sich mittlerweile auf mehr als eine Billion US-Dollar summieren.

Wachstumsoptionen statt reiner Reifungsgeschichte

Dem Vergleich stehen auch Einwände gegenüber. Ein Kommentator von The Motley Fool betont in einem zuletzt am Montag aktualisierten Beitrag, NVIDIA verfüge im Gegensatz zu Apple nach dessen Hardwarehöhepunkt über zusätzliche Wachstumsoptionen durch die Expansion in Netzwerktechnik, Prozessoren und optische Verbindungstechnik, etwa über Kooperationen mit Nokia, Marvell, Coherent und Lumentum.

Kapitalrückführung wird zum Kernargument

Im abgelaufenen Quartal führte NVIDIA rund 26,0 Milliarden US-Dollar über Rückkäufe und Dividenden an die Aktionäre zurück, zum Quartalsende blieben rund 99,0 Milliarden US-Dollar der bestehenden Rückkaufautorisierung übrig. Die nächste Quartalsdividende von 0,25 US-Dollar je Aktie wird am 1. Oktober 2026 an Anteilseigner mit Stichtag 10. September 2026 gezahlt, nachdem der Konzern die Ausschüttung im Mai 2026 von 0,01 auf 0,25 US-Dollar angehoben und eine zusätzliche Rückkaufautorisierung über 80 Milliarden US-Dollar beschlossen hatte. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2027 erwirtschaftete NVIDIA nach Berechnungen von Barron's einen freien Cashflow von 70 Milliarden US-Dollar, wovon 45 Milliarden US-Dollar an die Aktionäre zurückflossen, für den Rest des Jahres rechnen Analysten mit weiteren 93 Milliarden US-Dollar freiem Cashflow.

Ob sich die Apple-Parallele bei der Bewertungsausweitung bestätigt, dürfte sich erst über mehrere Quartale zeigen, insbesondere daran, ob die Marge wie angekündigt wieder Richtung 72 bis 73 Prozent steigt und ob die Kapitalrückführung tatsächlich in Richtung der von Evercore ISI und BofA skizzierten Größenordnungen wächst.

Martina Köhler, Redaktion finanzen.at

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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