Krypto-Konkurrenz 07.08.2026 03:01:41

Stablecoin-Wettbewerb nimmt zu: Open USD fordert Circle heraus

Stablecoin-Wettbewerb nimmt zu: Open USD fordert Circle heraus

  • Mehr als 140 Unternehmen unterstützen den neuen Stablecoin Open USD
  • Circle-Aktie fiel nach der Ankündigung zeitweise um mehr als 17 Prozent
  • Open USD verzichtet auf Mint- und Redemption-Gebühren und teilt Reserveerträge mit Partnern

Neues Bündnis stellt Open USD vor

Am 30. Juni 2026 hat das neu gegründete Unternehmen Open Standard den Stablecoin Open USD vorgestellt, an dem nach eigenen Angaben mehr als 140 Firmen aus den Bereichen Zahlungsverkehr, Banking, Fintech und Krypto beteiligt sind. Zu den Gründungspartnern zählen laut der Ankündigung auf der Open-Standard-Website Stripe, Coinbase, Visa, Mastercard und BlackRock. Initiiert wurde das Projekt von Zach Abrams, Mitgründer der Stablecoin-Infrastrukturfirma Bridge, die 2024 von Stripe übernommen wurde. Open USD soll Unternehmen erlauben, den Token ohne Gebühren zu prägen und einzulösen, während die Erträge aus den hinterlegten Reserven anteilig an die Partner zurückfließen sollen, abzüglich einer Verwaltungsgebühr. Die Steuerung des Projekts liegt laut Open Standard bei einem Gremium aus den beteiligten Partnerunternehmen und nicht bei einem einzelnen Akteur. Abrams begründete den Schritt damit, dass bestehende Stablecoins zwar Stärken hätten, Unternehmen für den Einsatz im großen Maßstab aber eine offene, kostengünstige und breit zugängliche Lösung benötigten.

Circle-Aktie gerät nach der Ankündigung unter Druck

Für Circle hatte die Ankündigung unmittelbare Folgen an der Börse. Die Aktie des USDC-Emittenten fiel am 30. Juni 2026 um mehr als 17 Prozent und markierte damit ihren niedrigsten Stand seit vier Monaten. Der Kurs schloss unter 63 US-Dollar und lag damit rund 55 Prozent unter dem Niveau von Mitte Mai 2026. Die Erholung in den Folgetagen verlief eher moderat - am 28.07.2026 kostete die Circle-Aktie mit 64,32 US-Dollar an der NYSE noch immer deutich weniger als vor der Open USD-Präsentation. Das Analysehaus Jefferies verwies in diesem Zusammenhang auf wachsenden Wettbewerbsdruck durch bank- und fintechgestützte Stablecoins, der Wachstum und Marktanteile von USDC künftig belasten könnte.

Für Circle könnte der Wettbewerb vor allem deshalb zunehmen, weil Open USD auf ein anderes Anreizmodell setzt. Während Circle die Erträge aus den Reserveanlagen seiner Stablecoins bislang weitgehend selbst vereinnahmt, sollen diese bei Open USD anteilig an die Partnerunternehmen ausgeschüttet werden. Gerade Zahlungsdienstleister, Banken und Fintechs könnten dadurch einen stärkeren finanziellen Anreiz erhalten, Open USD in ihre eigenen Angebote zu integrieren. Ob sich das Modell am Markt durchsetzt und tatsächlich zulasten von USDC Marktanteile gewinnt, bleibt allerdings offen.

Circle verweist auf eigene Stärken

Circle-Chef Jeremy Allaire reagierte auf die Ankündigung, ohne die Konkurrenz durch Open USD offen abzutun. So erklärte er in einer ersten Reaktion, Stablecoins gehörten zu den größten Marktchancen im Zuge der Digitalisierung des Geldtransfers, und weitere Innovation sowie Wettbewerb in dem Bereich seien willkommen. Kurz darauf argumentierte er in einem längeren Beitrag auf der Plattform X, dass sich Stablecoins als Netzwerkgeschäfte über Jahre aufbauen und sich nicht kurzfristig kopieren ließen.

Als Vorteile von USDC führte er tausende Integrationen, tiefe Liquidität an Börsen und in der dezentralen Finanzwelt sowie regulatorische Zulassungen in Märkten wie der Europäischen Union und Japan an. Zudem stellte er infrage, ob das von Open USD versprochene Teilen der Reserveerträge gegenüber dem bestehenden Modell von Circle tatsächlich einen wirtschaftlichen Vorteil darstellt.

Jonas Vogt, Redaktion finanzen.at

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